Für den kommenden Freitag ruft die Initiative „Hambi-Fahrt“ SchülerInnen, Auszubildende und Studierende zu einer gemeinsamen Fahrt in den Hambacher Forst auf. Sie wollen damit ein Zeichen für den Erhalt des Walds setzen. – Ein Interview mit Carlos Manoukian.

Für den kommenden Freitag ruft ihr zu einer Art Schulstreik für den Erhalt des Hambacher Forsts auf. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Auf die Idee unserer Aktion sind wir angesichts des Polizeieinsatzes im Hambacher Forst gekommen. Wir haben uns gefragt, wie wir die Verteidigung des Hambacher Forsts auch in der Stadt vorantreiben können.

Wir rufen konkret jedoch nicht zu einem Schulstreik auf, sondern zu einem Ausflug. Wir haben an jeder Schule versucht, mit Schulleitung und Lehrkräften Exkursionen zu organisieren, um auch die LehrerInnen dabei zu haben. Viele LehrerInnen sind in der Bewegung um den Wald oder im Hambacher Forst selbst aktiv und konnten dafür gewonnen werden. An den Schulen, wo weder Exkursionen noch Beurlaubungen genehmigt wurden, trafen sich die SchülerInnen um zu entscheiden, ob sie dem Verbot trotzen und streiken wollen oder nicht. An den Schulen, an denen diese Frage positiv beantwortet wurde, werden Unterschriften für Vollversammlungen gesammelt und eigene Beurlaubungsanträge trotz des Verbots gedruckt werden, um diese gemeinsam abzugeben.

Wer mobilisiert denn alles zu eurer Aktion? Aus welchen Städten werden TeilnehmerInnen erwartet?

Vor allem die SchülerInnen an ihren eigenen Schulen, Berufskollegien und Hochschulen in Köln, Bonn, Düsseldorf, Aachen, Düren und Bergisch Gladbach. An vielen Schulen sind Aktionsgruppen entstanden, die flyern, Transpis malen, Kreideaktionen machen und mit den SchülerInnenvertretungen, Lehrkräften und Schulleitungen diskutieren. Diese Mobilisierung von SchülerInnen für SchülerInnen läuft nach dem Prinzip, dass wir auf Niemanden warten müssen. Beispielsweise hat eine Schülerin aus dem Herder Gymnasium in Köln-Mülheim sich Kreide besorgt und alleine vor ihrer Schule mit Zeichnungen und Sprüchen auf die „Hambi-Fahrt“ aufmerksam gemacht. Wir brauchen keine Schulleitung, um vor der Schule zu flyern und keine SchülerInnenvertretung, um eine Vollversammlung zu organisieren.

Wie soll die „Hambi-Fahrt“, also der Tag konkret ablaufen?

Wir treffen uns morgens um 9 Uhr am Breslauer Platz (Köln Hbf), fahren gemeinsam nach Buir und beginnen dort von der Mahnwache aus einen Waldspaziergang. Im Wald selbst werden wir verschiedene Aktivitäten durchführen: Es wird Workshops, Diskussionen, Infos zum Hambacher Forst sowie zum Tagebau geben. Wichtig ist, dass alles, vom Essen bis zu den Vorträgen, von SchülerInnen organisiert wird. Nur beim Waldspaziergang bekommen wir von der lokalen Initiative „Buir für Buirer“ Unterstützung.

Durch den gerichtlichen Rodungsstopp scheint der Wald vorerst außer Gefahr zu sein. Was ist das genaue Ziel eurer Aktion?

Das sehen wir anders. Der Hambacher Forst ist in permanenter Gefahr und weder das Wort der Landesregierung NRW, noch das des Energiekonzerns RWE ist für bare Münze zu nehmen.

Auch der vorläufige Rodungsstopp ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass jeder weitere Tag des Hambacher Forstes erkämpft werden muss. Wir glauben daran, dass der politische Schutz für den Hambacher Forst der beste Schutz ist. Je mehr Leute die Wichtigkeit des Widerstands im Hambacher Forst erkennen und in der Schule, im Berufskolleg, am Arbeitsplatz oder an der Uni aktiv werden, umso sicherer sind der Wald und seine BewohnerInnen.

Wir wollen mit der „Hambi-Fahrt“ dazu beitragen, diesen politischen Schutz zu schaffen.