Heute ist der 11.11. – offizieller Beginn des Karnevals. Doch woher kommt der Karneval eigentlich und was ist aus seinen Ursprüngen geworden? Dieser Frage ist unserer Korrespondent Max Rose nachgegangen.

Wann genau die Menschen begannen sich gegen Winterende zu verkleiden, ist ungewiss.
Feststeht, dass es ein religiöser Akt im vorchristlichen „Germanien“ war, um die Schreckgestalten des Winters und der Kälte zu vertreiben. Es wurden Masken aus Holz in dämonischer Form geschnitzt und bei einem Straßenfest oder Umzug getragen. Auch wurden die letzten Erntereste, die vom Winter noch übrig waren, verteilt und verspeist. Am Ende gab es dann ein großes Fest, auf dem getanzt, gegessen und das Ende des Winters gefeiert wurde.

Einpassung durch das Christentum

Mit dem Einzug des Christentums wurde diese „heidnische“ – als gottlos beschimpfte – Tradition anfangs massiv bekämpft. Da es der Kirche jedoch nicht gelang, diesen über Jahrhunderte gewachsenen Brauch auszuradieren, ordnete sie sich ihn einfach unter und wandelte ihn in einen christlichen um.

Die Masken wurden nun in satanischen Formen geschnitzt, und der Kampf gegen Winter und Kälte geriet zur Austreibung von Dämonen aus der Stadt. So war es nicht verwunderlich, dass gerade zur Karnevalszeit viele Frauen der Hexerei angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Am Ende wurde die Stadt dann mit einer christlichen Prozession mit Weihrauch gereinigt und auf den Sommer sowie die Fastenzeit vorbereitet.

Heute wird Karneval immer kurz vor der Fastenzeit gefeiert. Und daher kommt auch der Name „Karneval“. Dieser leitet sich aus dem lateinischen „Carne“ (Fleisch) und „vale“ (lebwohl) ab. So bedeutet Karneval übersetzt eigentlich „Fleisch lebwohl“. Dies ist eine Anspielung auf die nach den Feiern beginnende Fastenzeit. Daher auch der Name Fastnacht, also die Nacht vor der Fastenzeit, mit der die Karnevalszeit endet.

Karneval als Gesellschaftskritik

Anfang der Neuzeit waren die deutschen Lande in viele kleinere Gebiete aufgeteilt wie z.B das Königreich Bayern, Westfalen oder Preußen. Es trug sich im schönen Köln zu (das zu Preußen gehörte), dass man die Soldaten und das strenge Regiment der Preußen nicht sonderlich schätzte. So wurde die Karnevalszeit in Köln und seinem Umland zu einer Zeit der humorvollen Kritik an den preußischen Herrschern.

Es wurden die berühmten (männlichen) Königinnen und Könige vorgeführt und später kam noch ein Bauer dazu. Die Masken wandelten sich vom Grausigen hin ins Witzige, und die Kostüme wurden zu Karikaturen der preußischen Gardeuniform. Es wurden auch die ersten Festwagen durch die Straßen Kölns gezogen, die immer eine politische Botschaft in humorvoller Art beinhalteten.

Also haben wir es den Preußen zu verdanken, dass sich im Rheinischen der Karneval so entwickelt hat, wie er heute ist – während er z.B im Schwarzwald in der eher ursprünglichen Version der vorchristlichen Zeit gefeiert wird.

Karneval und die Nazis

Doch gerade dieser humorvolle und gesellschaftskritische Karneval im Rheinland passte den Herrschenden oft gar nicht. Während das Preußentum ihn akzeptierte, hassten die Nazis ihn. Sie konnten ihn allerdings auch nicht verbieten und so versuchten sie, ihn – wie es bereits schon einmal die Kirche getan hatte – zu assimilieren und ihrem menschenverachtendem Weltbild unterzuordnen.

So wurden aus den Festwagen, die sonst die Politik und das Unrecht kritisiert hatten, Gefährte der System-Propaganda. Die Wagen zeigten jetzt Bilder von der „arischen Herrenrasse“ und dem „jüdischen Untermenschen“. Die witzigen Reden von einst wurden zu Propaganda-Reden, die denen von Goebbels in nichts nachstanden.

Der Name „Dreigestirn“ stammt allerdings auch aus dieser Zeit. Die Nazis benannten so die Königin, den Prinzen und den Bauern. Der traditionellerweise männlichen Königin wurde es nun allerdings untersagt, männlich zu sein. Stattdessen suchten die Nazis eine „Jungfrau“ der Stadt aus, die die Rolle der „Jungfrau“ zu spielen hatte.

Doch es gab auch Widerstand gegen den deformierten Karneval der Nazis. Verschiedene RednerInnen riskierten ihre Leben, indem sie auf der Bühne den Hitlergruß veräppelten oder die Jungfrau des Dreigestirns als Mann darstellten. Am Ende wurden alle RednerInnen von den Nazis selbst ausgewählt oder gestellt.

Und heute?

Nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus durch die Rote Armee und ihre alliierten Verbündeten wurden die meisten Änderungen der Nazis am Karneval wieder rückgängig gemacht. Allein der Name Dreigestirn ist als offensichtliches Überbleibsel geblieben.
– doch von nun an wieder mit rein männlicher Besetzung, dem Konservativismus und dem Schwulenhass zum Trotz.

Leider missbrauchen allerdings auch immer noch Faschisten den Karneval gerade außerhalb des Rheinlands für ihre menschenverachtende Ideologie.

Den gesellschaftskritischen Geist hat der Karneval heute gerade in der Ursprungsstadt Köln zum Großteil verloren. Längst ist er an vielen Stellen zu einer Party- und Saufveranstaltung verfallen und von seiner einstigen Herkunft fast komplett abgeschnitten.

Dennoch es gibt es immer mal wieder auf den Karnevalszügen Themenwagen und in den Sitzungen RednerInnen, welche die aktuelle Zeit aufgreifen und Kritik an Politik und Gesellschaft üben – und damit die obrigkeitskritische Tradition des Karnevals fortführen.