Bis 1990 hielt die NATO Geheimarmeen in ihren Ländern, auch bekannt unter dem Namen „Staybehind/Gladio“. Aktuelle Recherchen deuten darauf hin, dass wieder eine Armee rechter Elitekämpfer existiert, die sich ähnlicher Aufgaben annimmt: Erschießung von Linken am „Tag X“ und Guerilla-Kampf gegen Russland bei einer Invasion.

Wie der Focus nun in einem ausführlichen Artikel berichtet, soll sich innerhalb des Vereins „Uniter e.V.“ ein konspiratives Netzwerk rechter Elitekämpfer gebildet haben. Mit dabei: Mitglieder der Eliteeinheit der Bundeswehr „Kommando Spezialkräfte“ und von Eliteeinheiten der Polizei, Soldaten, Reservisten aber auch Mitglieder des Geheimdienstes „Verfassungsschutz.“

Vorbereitung auf „Tag X“

Mit verschiedenen Maßnahmen sollen sich diese auf den „Tag X“ vorbereitet haben, dem Zeitpunkt einer extremen Krise: „Ausgelöst durch Überfälle von Flüchtlingen auf Kinder und Frauen. Vergewaltigungen, Terroranschläge. verslumte deutsche Städte, Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. Und all dem stehe die Polizei hilflos gegenüber.“, so das Nachrichtenmagazin Fokus.

Als Vorbereitung darauf sollen verschiedene Maßnahmen getroffen worden sein: Es wurden Waffen- und Sprengstofflager angelegt und der Umgang damit weiter geübt. So sollen beispielsweise Trainings zum Schießen aus einem fliegenden Hubschrauber angeboten worden sein.

Laut einem Zeugen des BKAs hätten Beteiligte in ihrem „abgrundtiefen Hass auf Linke“ und Flüchtlinge einen „Ordner mit Adressen und Lichtbildern“ von Zielpersonen angelegt, die „weg“ müssten. So soll auch besprochen worden sein, diese an einen bestimmten Ort zu bringen, „an dem sie dann getötet werden sollen“.

Doch der „Tag X“ umfasste auch einen Vormarsch der russischen Armee. Wenn dieser nicht aufzuhalten sei, „lassen wir uns überrollen und gehen dann in den Guerillakampf über“, so heißt es in einem Chat-Protokoll.

„Uniter e.V.“ weist die Anschuldigungen aus „der politisch linksextrem oder zumindest linksorientiert einzuordnenden Presse“ zurück und verweist auf laufende Ermittlungen der Behörden.

Angeführt durch KSK-Hauptfeld

Leiter des Vereins „Uniter e.V.“, der nach eigenen Angaben 1.800 Mitglieder hat, ist der ehemalige KSK-Hauptfeldwebel André S. Wie die Taz in einer über ein Jahr dauernden Recherche herausgefunden hat, führen verschiedene Verbindungen zu ihm. So soll er Administrator verschiedener Chatgruppen sein, die in die Vorbereitungen involviert waren.

Auch soll er zentrale „Kontaktperson“ des Bundeswehr-Geheimdienstes „Militärischer Abschirmdienst“ zum KSK sein – auch wenn er dort seit Jahren nicht mehr offiziell aktiv ist. Die Verbindungen gehen so weit, dass ein MAD-Mitarbeiter Andre S. sogar vor Hausdurchsuchungen warnte. Ebenfalls hatte er Kontakt zu dem Bundeswehrsoldaten Franco A. und dem Anwalt Jan Hendrick H., die ähnliche Aktivitäten wie André S. vorbereiteten.

Parallelen zu Gladio

Zusammensetzung, Gesinnung und Aufgaben der enthüllten „Schattenarmee“ decken sich fast vollständig mit denen der – offiziell nur bis 1990 bestehenden – „Stay-Behind/Gladio“-Armeen. Dabei handelte es sich um Geheimarmeen, die von dem westlichen Militärbündnis NATO in Zusammenarbeit mit den lokalen Geheimdiensten aufgebaut wurden und in fast allen NATO-Ländern existierten.

Diese Struktur hatte zwei Aufgaben. Zum einen im Fall einer sowjetischen Invasion linke Politiker auszuschalten und zum anderen einen Guerillakampf „hinter feindlichen Linien“ zu beginnen. Da es dazu nie kam, wurden einige Ableger aktiv und führten Anschläge im eigenen Land durch, die dann Linken in die Schuhe geschoben werden sollten – so zum Beispiel ein Attentat auf einen Bahnhof in Bologna, bei dem 85 Menschen starben, oder auch das Oktoberfestattentat, ebenfalls von 1980.