Das Berliner Parlament erklärt den Internationalen Frauentag zum neuen Feiertag. Das erzeugt bei vielen Unmut, andere wiederum feiern das. Wie ist die Entscheidung aus ArbeiterInnensicht einzuordnen? – Ein Kommentar von Lisa Alex

Wie kam es zu der Entscheidung?

Am 24. Januar beschloss das Abgeordnetenhaus in Berlin mehrheitlich den 8. März als neuen Feiertag. Berlin hatte bisher nur 9 Feiertage und war damit Schlusslicht aller Bundesländer, was die Anzahl an gesetzlichen Feiertagen angeht. Der Abstimmung am Donnerstag war eine lange Debatte über das richtige Datum für einen neuen Feiertag vorangegangen. Neben dem 8. März waren viele andere Vorschläge eingereicht worden, darunter auch der 18. März als Erinnerung an die Märzrevolution 1848 oder der 9. November als Tag des Mauerfalls. Die rot-rot-grüne Koalition einigte sich schließlich auf den 8. März, den internationalen Frauentag.

Kritik aus allen Richtungen

Kritik kommt nun aus den verschiedensten Lagern: Auf der einen Seite kritisieren CDU, AfD und FDP die Entscheidung – zum Teil aus frauenfeindlichen Gründen, zum Anderen, weil die Berliner Wirtschaft unzufrieden damit ist. Die Unternehmer kritisieren, dass sie durch einen neuen Feiertag wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssten. Auch andere Rechte beschweren sich in den sozialen Netzwerken lauthals über die Wahl des neuen Feiertags. Es wird von Ungleichberechtigung von Männern gesprochen oder gegen Feminismus gehetzt. Aber auch von anderer Seite kommt Kritik, unter Anderem von Aktivistinnen, die den diesjährigen Frauen*streik vorbereiten. Sie sehen in der Wahl eine Reaktion auf den von ihnen geplanten Streik, dem damit der Wind aus den Segeln genommen würde.

Dagegen feiern SPD, Linke und Grüne das Ergebnis der Abstimmung. Sie sehen darin einen Fortschritt für Frauen. So erklärte SPD-Fraktionssprecherin Derya Caglar: „Der heutige Tag ist ein ganz großes Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg der Gleichstellung von Frau und Mann weiterkommen“.

Wie ist es aus der Sicht der Arbeiterinnen?

Ein Feiertag mehr im Jahr würde der Berliner Wirtschaft wohl tatsächlich Verluste bringen, wenn auch sehr geringe. Für uns ArbeiterInnen ist das aber weniger von Bedeutung, da die Gewinne sowieso nicht in unsere Taschen fließen. Für uns bedeutet ein Feiertag, dass wir einen Tag weniger im Jahr arbeiten müssen. Zumindest, wenn wir an Sonn- und Feiertagen frei haben.In dem neuen freien Tag eine Ungleichberechtigung von Männern zu sehen, ist ziemlich absurd, denn er gilt für Männer genauso wie für Frauen. Das Argument hört man häufiger aus der sogenannten „neuen Männerrechtsbewegung“, die heute eine Unterdrückung der Männer, nicht der Frauen sieht. Ja, Männer sind auch unterdrückt. Unterdrückt als Arbeiter durch die Ausbeutung der Kapitalisten. Oder unterdrückt als Migranten. Aber Männer sind keineswegs unterdrückt von Frauen. Frauen sind diejenigen, die im Durchschnitt 21% weniger verdienen. Deren Arbeitstag nicht zu Ende ist, wenn sie nachhause kommen, denn dann warten Kinder und Haushalt auf sie. Frauen erleben tagtäglich Gewalt und Diskriminierung. Männer, die behaupten, sie seien die Benachteiligten heutzutage, haben nur Angst davor, ihre Privilegien zu verlieren.

Dass der internationale Frauentag nun Feiertag geworden ist, hängt aber auch nicht mit dem geplanten Frauen*streik zusammen. Die Diskussion über das Datum geht schon länger, als dass der Frauen*streik breitere Öffentlichkeit erfahren hat und kann damit nicht als direkte Reaktion gesehen werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Entscheidung ein Fortschritt in Sachen Frauenbefreiung wäre. Er wurde weder von uns Arbeiterinnen erkämpft, noch beinhaltet er konkrete Verbesserungen für unserer Lage. Der Kampf für Verbesserungen der Situation von Frauen – sei es um höhere Löhne, ausreichend viele Betreuungsplätze für unsere Kinder oder gegen die alltägliche Diskriminierung und Gewalt, die wir erfahren – hängt nicht davon ab, ob wir am 8. März arbeiten müssen oder nicht. Er wird auch nicht nur an diesem einen Tag im Jahr geführt, sondern jeden einzelnen Tag im Jahr.

Als Arbeiterin freue ich mich trotz allem, dass ich zukünftig einen freien Tag mehr im Jahr haben werde. Als Frau weiß ich, dass der Kampf um unsere Befreiung weitergehen muss, egal ob mit oder ohne den 8. März als Feiertag.