Vor genau 100 Jahren wurde die Kommunistische Partei Deutschlands gegründet. Aber was ist eigentlich eine Kommunistische Partei? – Ein Exklusiv-Interview mit dem Kommunismus-Experten Karl Marx.*

Lieber Karl, schön, dass du dir Zeit nimmst für ein Gespräch. Ich hoffe du konntest dich gut von all den Feierlichkeiten erholen?

Puh, jah, also mit meinen 200 Jahren auf den Buckel lässt sich halt das Tanzbein nicht mehr so einfach schwingen. Aber es freut mich, das mein Hauptwerk das Kapital, auch 150 Jahre nach seinem Erscheinen, noch auf soviel Interesse stößt. Scheint ja auch nach wie vor brandaktuell.

Karl, ich würde gerne mit dir über die Kommunistische Partei sprechen, weil ich hoffe, dass du mir das genauer erklären kannst. Immerhin heißt das Hauptwerk von dir und Friedrich Engels ja „Manifest der Kommunistischen Partei.“ Immer weniger Menschen vertrauen Parteien und Politikern – und dazu kann jeder genügend gute Gründe aufzählen. Doch was ist eigentlich eine Partei?

Also bei einer Partei handelt es sich erstmal um eine „Seite“ – wie im Fußball, wo zwei „Parteien“ gegeneinander spielen. Auch in unserem Gesellschaftssystem, dem Kapitalismus, kämpfen im wesentlichen zwei „Parteien“ gegeneinander – die ArbeiterInnenklasse und die KapitalistInnenklasse. Damit die ArbeiterInnenklasse den Sieg davon tragen kann, muss sie sich jedoch als bewusste Partei sehen und auch so organisieren. Ihr Instrument dafür ist die Kommunistische Partei. Dabei handelt es sich um eine Organisation aus den bewusstesten, aufopferungsvollsten und kämpferischsten Teilen der ArbeiterInnenklasse. Also um eine Organisation von ArbeiterInnen für ArbeiterInnen – eben eine Arbeiterpartei. Das Ziel dieser Partei ist der Sozialismus und dann der Kommunismus.

Na, was haben denn Sozialismus und Kommunismus mit ArbeiterInnen zu tun?

Also nach meiner Analyse werden ArbeiterInnen im Kapitalismus ausgebeutet und unterdrückt. Grund dafür ist, dass die Kapitalistenklasse die großen Produktionsmittel, also Maschinen, Büros usw. besitzt und die ArbeiterInnen daran und dafür arbeiten lässt. Deshalb liegt es im objektiven Interesse aller ArbeiterInnen, den Kapitalisten diese Produktionsmittel zu entreißen und unter die eigene Herrschaft zu stellen. Das ist dann die sozialistische Gesellschaft, in der die Produktionsmittel sozialisiert sind – also der ArbeiterInnenklasse als Ganzer gehören – und die Wirtschaft nach einem gesellschaftlichen Plan organisiert ist.

In dieser Phase ist auch noch ein Arbeiter-Staat notwendig, der den Widerstand der alten Ausbeuter niederhält und den Aufbau des Sozialismus sicherstellt. Doch das ist nur eine Zwischenstufe: das Ziel ist der Kommunismus. Der Kommunismus ist dann eine höhere Form des Sozialismus – hier leben die Menschen gemeinsam „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Es braucht keinen Staat und auch keine Kommunistische Partei mehr – die Kommunistische Partei ist also die einzige Partei, die dafür kämpft, sich letztendlich abzuschaffen.

Und was unterscheidet die Kommunistische Partei jetzt von einer kapitalistischen, bürgerlichen Partei?

Die Kommunistische Partei unterscheidet sich grundlegend von den verschiedenen kapitalistischen Parteien, die sich die Kapitalistenklasse schafft. Das Ziel der Arbeiterpartei ist es nicht, den Kapitalismus aufrecht zu erhalten, sondern ihn zu überwinden. Ihr Ziel ist es deshalb nicht, gewählt zu werden und dann warme Pöstchen zu bekommen, und von dort aus nur das Elend zu verwalten oder ein wenig zu lindern. Nach Auffassung der Arbeiterpartei ist das Parlament nur eine „Schwatzbude“ , mit der die Kapitalisten ihre Herrschaft verschleiern.

Die Kommunistische Partei will das ganze Parlamentarische System überwinden und durch eine Rätedemokratie zu ersetzen – wo also alle ArbeiterInnen von der Straße und dem Betrieb bis ganz nach oben in Räten organisiert sind. Die Delegierten, die in höhere Räte geschickt werden, sind jederzeit abwählbar, ihrer Basis rechenschaftspflichtig und dürfen maximal einen durschschnittlichen Facharbeiterlohn verdienen. Die Rätedemokratie ist die politische Form, mit der der Sozialismus aufgebaut werden kann, mit der die ArbeiterInnenklasse herrschen kann. Die Kommunistische Partei hat dann die Aufgabe, die Gesellschaft weiter zu revolutionieren, bis sie im Kommunismus letztlich überflüssig wird.

Es ist jetzt fast 170 Jahre her, dass ihr euer „Manifest“ geschrieben habt. Denkst du nicht, dass euer Konzept der „Kommunistischen Partei“ mittlerweile überholt ist?

Nunja, da würde ich dich fragen: Gibt es heute noch Kapitalismus? Gibt es heute noch die ArbeiterInnenklasse? Gibt es heute noch Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung? Werden die Kapitalisten freiwillig ihre Macht abgeben? Ich glaube die Antworten sind für jeden klar, der die Nachrichten anschaltet. Und bis heute hat mir auch noch Niemand einen anderen Vorschlag gezeigt, wie eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus‘ aussehen kann, die nicht sozialistisch ist. Entweder es gibt Privateigentum an Produktionsmitteln und damit Ausbeutung und Unterdrückung – oder eben Gemeinschaftseigentum – und damit die Perspektive für eine befreite Gesellschaft. Aber spontan wird das nicht gelingen. Da müssen sich schon die ArbeiterInnen, die verstanden haben, wie das System funktioniert und wie man es ändern kann, aufraffen und zusammenschließen – eben ihr eigenes Instrument herauszubilden. Es wird mal Zeit für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei!

Danke Karl für diesen kurzen Einblick! Dann wünsch‘ ich dir gute Erholung nach diesem durchzechten Jahr!

*Es handelt sich hierbei um ein fiktives Interview auf Basis einer Einschätzung von Marx‘ Schaffen. Seine eigenen Thesen können am besten im „Manifest der Kommunistischen Partei“ von 1848 nachgelesen werde.