Tausende Menschen leben in Flüchtlingsunterkünften unter teils menschenunwürdigen Bedingungen. Die Bewohnerinnen einer Gemeinschaftsunterkunft in Schwelm haben sich jetzt in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit und die Stadtverwaltung gewandt. Sie schildern Schikanen durch den Sicherheitsdienst, fehlende Privatsphäre und gesellschaftliche Isolation.

Etwas mehr als 30 Geflüchtete leben momentan in der Schwelmer Gemeinschaftsunterkunft in der Kaiserstraße – einige bereits seit 3 Jahren. Die großen Gemeinschaftsräume mit bis zu 16 Betten sind für eine dauerhafte Unterbringung nicht ausgelegt. „Stellen Sie sich bitte nun vor, Sie leben in dieser Unterkunft gemeinsam mit anderen seit Jahren in einem großen Raum getrennt nur von Trennwänden und Sie gehen einer Ausbildung nach oder arbeiten jeden Tag“, so die Geflüchteten in ihrem Brief, der an Hildegard Peters, Leiterin des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales bei der Stadt Schwelm adressiert ist.

„Wissen Sie, dass das Sozialamt in Schwelm von denjenigen von uns, die arbeiten, knapp 300 Euro Miete für diese Übernachtungsmöglichkeit verlangt? Also für ein Bett, 5 Quadratmeter geteilt mit einem Nachbarn, in einem Raum mit über 10 Leuten, mit einer Gemeinschaftstoilette im Haus, mit Gemeinschaftsduschen im Hof und ohne selbständige Zutrittsmöglichkeit zum eigenen Bett.“

Die Geflüchteten fühlen sich „ungerecht behandelt, wenn wir für ein Bett mehr zahlen müssen als die übliche Miete für eine Wohnung in Schwelm.“

„Sind wir denn Gefangene?“

Die Geflüchteten berichten auch von Schikanen durch das Sicherheitspersonal: „Das Sicherheitspersonal kommt nachts in den Raum und kontrolliert mit der Taschenlampe, ob alle da sind. Sind wir denn Gefangene?“ Auch Briefe, darunter Anwaltspost und Mitteilungen des Bundesamts für Flüchtlinge und Migration (BAMF), erhalten sie teilweise geöffnet.

Sie fühlen sich „zu unmündigen Menschen degradiert“, da sie in ihren Wohnräumen selbst weder die Waschmaschine noch den Fernseher bedienen dürften. Auch die Außentür dürften sie selbst weder auf- noch abschließen.

„Muss sich erst einer von uns etwas antun?“

In drastischer Sprache versuchen die Geflüchteten ihre Situation zu vermitteln: „Muss sich erst einer von uns etwas antun, damit die Situation sich ändert? Müssen wir erst verrückt werden, bis unsere Situation auch den Mitarbeitern des Sozialamtes klar wird? Warum wird so viel Aufwand verschwendet, um uns zu kontrollieren, zu schikanieren und uns das Leben zu erschweren.“ Isolation und die Einschränkungen würden die Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt, sowie das Erlernen der Sprache blockieren.

Zuletzt fordern die Geflüchteten Hildegard Peters auf, sich selbst vor Ort ein Bild über die Lage zu machen.

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