Marcel Schneider ist Auszubildender in einer mittelgroßen Hotelkette in Süddeutschland. Wir haben mit ihm über seine Arbeitsbedingungen, seine Chefs und Arbeitskämpfe im Hotelgewerbe gesprochen.

Marcel, was macht man so als Azubi in einem Hotel? Wie sieht ein üblicher Arbeitstag aus?

In der Ausbildung durchläuft man jede Abteilung des Hotels. Das heißt man arbeitet an der Rezeption, dem Service, der Buchhaltung und dem Housekeeping – mal in jedem Bereich.
Je nach Abteilung fallen unterschiedliche Aufgaben an, aber eins ist sicher überall gleich: Wenn viel los ist, werden gut und gerne auch mal 10-15 Stunden gearbeitet.

Einige Aufgaben sind zum Beispiel: Gäste einchecken, Zimmer putzen, Gäste betreuen oder bei großen Veranstaltungen Tagungsräume vorbereiten und dann wiederum deren TeilnehmerInnen bedienen.

Wie verhalten sich die Gäste zu dir?

Das ist immer unterschiedlich und hängt davon ab, was für ein Publikum im Hotel ist. Vom Geschäftsführer bis zur Familie ist alles dabei. Aber meistens ist es so, dass, wenn man selbst freundlich ist, die Menschen auch freundlich zu einem selbst sind.

Und die Vorarbeiter und Chefs?

Es wird ein strenger aber trotzdem respektvoller Umgang praktiziert und zumindest bei uns in unserem Hotel ist es so, dass sich die Vorgesetzten um Belange der Azubis kümmern und immer mit Hilfe zur Verfügung stehen.

Wie siehst du die Arbeitsbedingungen von dir und im Hotelgewerbe allgemein?

Allgemein lässt sich sagen, dass die Hotellerie eine sehr harte Branche ist. Die meisten ArbeiterInnen im Hotel werden für die harte Arbeit schlecht bezahlt, und es ist gang und gebe, dass sich gegen 10-15 Stunden Schichten nicht gewehrt wird, weil es ja nun mal so üblich ist. Ich kann aber sagen, dass wir Auszubildenden was Arbeitszeiten angeht besonders behandelt werden: man wird immer auf seine Pausen hingewiesen und muss diese wahrnehmen, bei Überstunden sowie Minus-Stunden wird alles genau dokumentiert.

Gibt es Unzufriedenheit unter den Kollegen? Wenn ja, wie zeigt sich diese?

Unzufriedenheit definitiv, diese äußert sich viel in Gesprächen unter den Kollegen, wird aber versucht, mit Humor zu überspielen. Es gibt viel Probleme mit Personalmangel: Da kommt es mal vor, dass man zu viert für 300 Gäste verantwortlich ist – Was einfach kaum funktionieren kann. Da wird den ArbeiterInnen dann schon klar, dass sie die Leidtragenden der Einsparung beim Personal und der daraus resultierenden Gewinnmaximierung des Unternehmens sind.

Was müsste man tun, damit sich die Hotel-Kollegen untereinander organisieren?

Die Organisierung innerhalb des Betriebes ist denke ich ein schwieriges Thema, da es keinen Betriebsrat gibt und die Solidarität untereinander von Person zu Person unterschiedlich ist. Da würde es denke ich schnell passieren, dass einige ArbeiterInnen anderen in den Rücken fallen und sich auf die Seite des Chefs stellen würden.

Ich denke aber, dass man mit subtilen Methoden schon erste Schritte machen kann: Über die Zustände in diesem Job zu diskutieren und sich darüber klar werden, welche Kraft man eigentlich als Arbeiterschaft in einem großen Betrieb hat.

Um dann wiederum eine weitere Organisierung untereinander voran zu treiben, müsste man denke ich vorhandene Beispiele von anderen Kämpfen innerhalb anderer Betriebe aufzeigen und diese versuchen mit allen solidarischen Kollegen umzusetzen.