Für die Kampagne „Looks like shit. But saves my life“ kooperierte das Bundesverkehrministerium mit Heidi Klums „Germanys Next Topmodel“ um Plakate zu erstellen, auf denen eine junge Frau kaum bekleidet ist – bis auf einen Helm. Initiativen, die sich mit dem sexistischen Frauenbild in der Werbung beschäftigen, sind erbost, der Verkehrsminister hingegen ist zufrieden.
Allein der Werbeslogan, mit dem CSU-Verkehrsminister Scheuer für freiwilliges Helmtragen beim Radfahren werben wollte, scheint fehl am Platz: „Looks like shit.“, „Sieht aus wie Scheiße“, schien vielen nicht unbedingt angemessen, um junge Menschen dazu zu ermutigen, einen Fahrradhelm zu tragen.
In Kombination mit den Fotos, die für die zumindest hip gemeinte Werbekampagne verwandt wurden, rief er vielerorts antisexistische Initiativen auf den Plan. Auf ihnen ist unter anderem ein weibliches Model zu sehen, dass sich in Unterwäsche auf einem Bett räkelt und dabei natürlich einen Helm trägt.
Das Fotoshooting hat das Model im Rahmen von „Germany’s next Topmodel“ gewonnen, also einer Show, die von Feministinnen schon seit Jahren als gefährlich für junge Mädchen eingeschätzt wird. Frauen und ihren Körper zu seelenlosen Objekten zu machen und heftiger Druck, einem ungesunden Körperideal zu entsprechen, sind nur einige der Kritikpunkte.
„Let’s go a bit sexier“
Da Model Alicija den Job für die Kampagne innerhalb der Pro7-Sendung gewann, ist auch das Shooting ausgestrahlt worden. Ein Modefotograf in London macht die Aufnahmen und entscheidet schnell, dass die junge Frau mit dem weißen Shirt zu sehr bekleidet ist, um auf die Wichtigkeit von Fahrradhelmen aufmerksam zu machen. „Let’s go a bit sexier with her“, heißt es.
Genau diese „Sexyness“ kritisieren Frauen in Zeitungen und online. Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen nackten Frauenkörpern und Fahrradhelmen, nichts rechtfertigt, warum das Model nicht bekleidet ist.
Über den Shitstorm, der das Verkehrsministerium ereilte, wird in zahlreichen Medien berichtet. Dabei ist auch wieder von einer Kampagne die Rede, mit der das Ministerium 2015 auf SchülerInnen zu dem selben Zweck zuging.
https://twitter.com/femInsist/status/576023308245868544
Verkehrsminister Scheuer ist zufrieden
„Eine gelungene Verkehrssicherheitskampagne soll auch immer aufrütteln und darf polarisieren. Jede Kontroverse um die Motive erzeugt Aufmerksamkeit für unsere Aktion und rettet Leben. Wir suchen neue Wege.“, zieht Scheuer erste Schlüsse aus der Auswertung seiner Kampagne. Doch dass „Sex sells“ ein neuer, gangbarer Weg sein soll, nehmen Fraueninitiativen und vor allem marketingkritische Netzwerke nicht hin.
https://twitter.com/kattascha/status/1110086314869903361
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