Bei einem Missbrauchsfall in Lügde versprach Herbert Reul „lückenlose Aufklärung“. Nun findet ein Abrissunternehmen am Tatort weiteres Beweismaterial, während Reul im Urlaub und die Untersuchungen beendet sind. Die SPD-Landtagsfraktion fordert seinen Rücktritt.

Ein Campingplatz in Lügde ist Tatort tausendfacher Missbrauchsfälle an Kindern geworden. In dem selben Maß, in dem über die furchtbaren Missbrauchsfälle berichtet wurde, kamen auch erschreckende Details über Ermittlungspannen ans Licht. Viele der rund 40 betroffenen Kinder lebten in einem Pflegeverhältnis beim Hauptverdächtigen. Schon dort räumten die zuständigen Stellen ein, Hinweise zu Übergriffen und sexualisierter Gewalt gehabt zu haben, diesen aber nur vereinzelt nachgegangen zu sein.

Des Weiteren gab es vier Untersuchungen des Tatorts, die jedoch so oberflächlich durchgeführt wurden, dass bei einer Durchsuchung durch ein neues zuständiges Ermittlungsteam noch ein PC, eine Festplatte und 131 CDs gefunden wurden.

„Kein Stein bleibt auf dem anderen“

Der Tatort, der von den Ermittelnden untersucht wurde, ist gleichzeitig auch Wohnort des mutmaßlichen Täters und eine Dauercampinganlage. Reul kündigte an, dass die Ermittler „an den Orten des Geschehens jeden Stein umdrehen [würden], notfalls wird der Stein auch geröntgt“.

Umso bestürzender, dass nun tatsächlich die ArbeiterInnen eines Abrissunternehmens weiteres Beweismaterial finden. Lange, nachdem Staatsanwaltschaft und Polizei den Tatort freigegeben haben, finden sie CDs und Disketten. „Am Anfang war der Abbruch okay, das ist ja unsere Arbeit, wir reißen ja täglich ab. Aber als wir dann in die Wohnwagen rein sind, den Ort selber gesehen haben und dann noch die CDs gefunden haben, das war schon hart. Da ist es uns eiskalt den Rücken runter gelaufen. Wir haben dann sofort die Kripo angerufen“, so Christoph Wienberg, der Chef des zuständigen Abrissunternehmens.

„Im Hohlraum“

Den Vorwurf unsauberer Arbeit bei der Spurensicherung wies Innenminister Reul gegenüber dem WDR zurück. „Wenn sie in Hohlräumen versteckt wurden oder dort hineingerutscht sind, kann man sie erst bei Abrissarbeiten finden“. Laut Aussage der Polizei habe man die Datenträger in einem Hohlraum zwischen zwei Bodenplatten gefunden. Zu diesem Fundort äußerte sich das Abbruchunternehmen nicht weiter, Wienberg wisse nicht, wo genau man die Datenträger gefunden habe.

Als Reaktion darauf, wie unverantwortlich das Innenministerium und demzufolge die Polizei mit dem Fall und den Ermittlungen umgingen, fordert die Landtagsfraktion der SPD nun den Rücktritt Reuls. Dieser könne sich derzeit nicht äußern, da er im Urlaub sei.

Nach den AktivistInnen, die im Hambacher Forst Polizeigewalt und verantwortungslose Räumungen miterlebten, ist die SPD-Fraktion nun schon die zweite Stelle, die einen Rücktritt fordert.