Die Stadt Düsseldorf ist wieder einmal rabiat gegen Lebensräume von Obdachlosen vorgegangen. So hatte sie unter einer Brücke dutzende große spitze Steine aufstellen lassen, um Obdachlose daran zu hindern, dort zu campen. Die Antwort folgte prompt: Obdachlose brachten die Steine „zurück“ und legten sie vor dem Düsseldorfer Rathaus ab.

Vor rund einer Woche wurden auf Betreiben der Stadt Düsseldorf große Wackersteine unter der Rheinkniebrücke abgelegt.

In typischem Beamtendeutsch bestätigte die Stadt dies: „Um einerseits der Beschwerdelage Rechnung zu tragen, andererseits erneute Lagerstätten im Einzugsbereich des Apollo-Varieté und der Staatskanzlei weitestgehend einzuschränken, hat sich die Verwaltung dazu entschieden, den Bereich unter der Brücke mit sogenannten »Findlingen« zu bestücken.“

Doch laut der Obdachlosenzeitung FifftyFiffty wird damit Obdachlosen ein wichtiger Aufenthaltsbereich genommen: „Gerade bei Regenwetter war der trockene Raum unter der Brücke für die Wohnungslosen Gold wert. Manche fanden dort sogar eine Art „Wohnung“. Sie richteten sich unter den Fußgänger- und Radler-Auffahrten zur Kniebrücke häuslich ein.“

Wackersteine vor dem Rathaus

Um nun ein öffentliches Zeichen gegen die Verdrängungspolitik der Stadt zu setzen, mobilisierte FifftyFiffty über ein Dutzend Menschen, darunter auch Obdachlose. Gemeinsam transportierten diese die Steine bis vor das Düsseldorfer Rathaus.

Tatsächlich gab es dann sehr schnelle Kommunikationsmöglichkeiten von Seiten der Stadt. Am Rathaus standen RepräsentantInnen der Verwaltung als GesprächspartnerInnen bereit.

Schule als Alternative?

Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Miriam Koch, meint, den Obdachlosen seien verschiedene alternative Unterkünfte angeboten worden. Darunter ein altes Schulgebäude in Heerdt. Bei den Obdachlosen sei dieses Angebot jedoch so nicht angekommen, entgegnet Oliver Ongaro von Fiftyfifty. Die Schule sei gar nicht geöffnet.

Obdachlosencamp in Düsseldorf geräumt

Düsseldorf setzt repressives Vorgehen fort

Mit der Wackerstein-Aktion scheint die Stadt Düsseldorf eine Kehrtwende in ihrer Obdachlosenpolitik vollzogen zu haben. Im März hatte die Stadt ein Obdachlosencamp in Oberbilk räumen lassen.

Nach öffentlichen Protesten entschloss sie sich dann zu einem neuen Projekt: Diejenigen, die aus ihrem Camp geschmissen werden sollten, wurden in einem Haus in Hamm untergebracht. Laut FifftyFiffty ein voller Erfolg: „Einige der Ex-Obdachlosen haben sogar schon wieder Arbeit, wollen in normale Wohnungen umziehen.“