„Ahora sí – Guerra Civil“ schallt es durch El Alto, die zweitgrößte Stadt Boliviens. Nachdem gestern der linksgerichtete Präsident Evo Morales zurückgetreten war, gibt es heftige Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern von Morales und Polizei wie Militär. Morales ist derweil nach Mexiko geflohen, wo ihm Asyl gewährt wird.

Nach dem Rücktritt des langjährigen bolivianischen Präsidenten Evo Morales kommt es zu heftigen Straßenkämpfen, insbesondere in El Alto. Die Stadt liegt auf rund 4.000 Metern Höhe und umringt die größte bolivianische Stadt La Paz. Sie setzt sich zusammen aus ehemaligen Minenarbeitern und Bäuerinnen und Bauern, die es vom Land in die Städte zieht.

Videos in sozialen Netzwerken zeigen Demonstrationen, bei denen mit Dynamit und Metallstangen bewaffnete Menschenmassen rufen „Ahora sí – Guerra Civil“. Das bedeutet soviel wie: „Jetzt auf jeden Fall – Bürgerkrieg“.

„Fusil Metralla, El Alto no se Calla“

Andere Video-Aufnahmen zeigen Straßenblockaden der vergangenen Nacht, mit denen die BewohnerInnen El Altos die Zufahrtsstraßen nach La Paz abriegeln. So hatten sie 2003 den ehemaligen bolivianischen Präsidenten Gonzales zu Fall gebracht. Schon jetzt wird auf den Barrikaden wieder die Parole von damals gerufen: „Fusil Meralla – El Alto no se calla“ (dt.„Gewehr, Blei – El Alto wird keine Ruhe geben“).

Angeführt werden die Proteste von der Föderation der Nachbarschaftsräte „FeJuVe“ (Federación de Juntas Vecinales de El Alto). In einer Fernsehansprache erklärte ein Sprecher, dass die Oppositionsführer Carlos Mesa und Fernando Camacho 48 Stunden Zeit hätten, um die Stadt La Paz zu verlassen. Diese würden hinter dem Putsch und Morales‘ Sturz vom Wochenende stehen.

FeJuVe rief außerdem Polizei und Militär dazu auf, sich wieder um die Sicherheit aller BolivianerInnen zu kümmern. Ansonsten würde eine eigene „zivil-gewerkschaftliche Polizei“ aufgebaut werden.

Teile der Armee waren in der Nacht mit Schusswaffen gegen Proteste vorgegangen und mit Panzern durch die Stadt patrouilliert. Drei Menschen kamen bisher ums Leben.

Evo Morales ist zwischenzeitlich nach Mexiko geflohen. Zuvor hatte der mexikanische Präsident öffentlich ein entsprechendes Angebot für Asyl gemacht. Per Twitter erklärte Morales, dass er nur mit Schmerz sein Land verlasse. Er werde jedoch bald zurückkehren.