Die „Bauer Media Group“ entschied sich diese Woche zu einer Hinterfragung der Firmengeschichte ihres Verlags zur Zeit der Nationalsozialisten. Immer mehr Konzerne versuchen, ihre Vergangenheit zu reflektieren – bzw. aufarbeiten zu lassen.

Wer kennt sie nicht: BRAVO, tv14, tina, Neue Post und viele mehr. Diese Zeitschriften haben nicht nur einen hohen Unterhaltungswert für die Bevölkerung, sondern auch noch ein anderes Merkmal: sie gehören der Bauer Media Group an. Nachdem die Sendung ZAPP und der Spiegel in ihren Recherchen feststellten, dass der Verlag selbst nichts zu seiner Geschichte zwischen 1933 und 1945 zu sagen hat, fragten sie nach. Die Antwort erfolgte prompt: Laut Verlag gibt es tatsächlich keine Aufarbeitung zur Arbeit des Medienunternehmens in den Zeiten des Nationalsozialismus. Nun will der Verlag selbst einen Historiker forschen lassen. Hierbei müssen zwei Fakten beachtet werden, um den Wahrheitsgehalt der Historiker-Ergebnisse später unterstreichen zu können.

Die Bauer Media Group ist nicht die erste Konzerngruppe, die ihre Rolle im Nationalsozialismus aufarbeiten lässt. Die Deutsche Bahn hat es vorgemacht und ist dabei eher unglücklich weggekommen. So hatte die „DB AG“ beispielsweise – der schwerwiegendste Kritikpunkt – keine vollständige Entschädigungszahlung an die Betroffenen der Deportationen geleistet, weil „das Unrecht so groß war. Das war so monströs, dass es mit Geld nicht wieder gut zu machen ist“. Daran kann man erkennen, dass eine Aufarbeitung nicht nur auf dem Papier geschehen darf, sondern der Konzern die Erkenntnisse auch in seine Unternehmensphilosophie übernehmen muss. Das wiederum kann nicht mit simplen Aussagen wie „wir sind bunt und weltoffen“ wieder gut gemacht werden, sondern das darf und muss dann eben auch mal wehtun. Und was tut einem Konzern weh? Richtig, wenn er Geld zahlen muss.

Ein anderer Punkt der Aufarbeitung ist die Frage, welche/n Historiker/in man bestellt hat und wie die „innere“ Bilanz aussieht. Zum Beispiel erfährt man im Rechtsstreit der Hohenzollern, die ihre Schlösser wieder in Privatbesitz bringen wollen, dass es mehrere Ansätze gibt, seine Geschichte aufzuarbeiten. Das hängt beispielsweise damit zusammen, wie politisch vorbelastet oder eingestellt der/die Historiker/in ist. Außerdem können in Absprache mit dem Konzern diverse Textstellen verändert werden – exemplarisch ist hier wieder der Unterschied zwischen den Wörtern „müssen“ oder „sollen“ zu nennen.  An einem weiteren Beispiel der Hohenzollern-Aufarbeitung zeigt sich schließlich, dass die Berichte, die durch die auftraggebende Person erstellt wurden, erheblich kürzer sind als die investigativen und wissenschaftlichen Berichte ohne den auftraggebenden Finanzier.

Schon jetzt ist klar, dass die Hamburger Bauer Media Group ein immenses Geschäft im Nationalsozialismus einfahren konnte. So hatte sich die Auflage der Zeitschrift Funke-Wacht von 1930 (40.000) bis 1934 (400.000) verzehnfacht. Parallel dazu traten Alfred Bauer und sein Vater der NSDAP bei. Später dann erwarb Alfred Bauer acht Immobilien, die zuvor jüdische Eigentümer hatten…