Die „Gigafactory“ des US-Automobilkonzerns soll in einem Waldgebiet in der Nähe von Berlin entstehen, da jedoch noch gerodet werden muss. Tesla und das Umweltamt haben keine Zeit für Einmischungen und schaffen Tatsachen, trotz fehlender Baugenehmigung.

Im Eiltempo soll das rund 90 Hektar umfassende Waldgebiet in Grünheide (Oder-Spree) gerodet werden, um Platz für die Tesla-„Gigafactory“ zu schaffen. Laut Bundesnaturschutzgesetz sind nur noch bis zum 1. März Fällungen von Bäumen erlaubt. Um den Wald also noch früh genug „platt“ zu machen, hat ein Bauunternehmen im Auftrag von Tesla 29 sogenannte „Harvester“ (vollmechanisierte Holzernte-Maschinen) heran gekarrt. Die Firma rechnet damit, so die 90 Hektar innerhalb der nächsten vierzehn Tage komplett roden zu können.

Sonderbar ist, dass die Rodung des Waldes nun schon beginnt, ohne dass überhaupt eine Genehmigung für den Bau des Werkes erteilt wurde. Trotzdem hatte das Landesamt für Umwelt in Brandenburg der Firma eine Zulassung für den vorzeitigen Beginn der Rodung gegeben. Nach RBB-Informationen begannen kurz darauf am frühen Donnerstagabend die Arbeiten im Wald. Offiziell dürfe Tesla „auf eigenes Risiko“ mit den Baumaßnahmen anfangen, da im Falle der Ablehnung der endgültigen Baugenehmigung Tesla den ursprünglichen Zustand wiederherstellen müsse. Faktisch wird das allerdings kaum möglich sein, da die Bäume viele Jahrzehnte alt sind und nicht einfach schnell mal eben nachwachsen werden.

Beschwerden gegen Rodung zurückgewiesen

Die „GRÜNE LIGA Brandenburg“ sowie der „Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern“ (VLAB) haben deshalb am Freitagmorgen beim Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) in einem Eilantrag Beschwerde eingereicht. Diese Anträge wurden abgewiesen. Nun stellt sich die Frage, ob die KlägerInnen auf der nächsthöheren Ebene beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gegen den Beschluss vorgehen.

Die Vereine kritisieren die „überfallartig begonnene Rodung“ eines wichtigen Waldgebiets in Grünheide. Die Abholzung des Waldes sei unumkehrbar und sie geschehe, obwohl noch keine Baugenehmigung für die Fabrik des US-Giganten erteilt wurde. Außerdem seien die Schäden an Umwelt und Natur noch nicht absehbar und der enorm hohe Wasserverbrauch wäre für das sowieso schon trockene Gebiet untragbar.

Der „Bund für Umwelt und Naturschutz“ (BUND) Brandenburg hingegen nimmt es gelassen und will nicht gegen die Rodung des Walds vorgehen. Dafür sähe man zur Zeit weder die Möglichkeit noch den Bedarf, sagte Landesgeschäftsführer Axel Kruschat am Freitag.


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