Wie jedes Jahr haben sich Frauen auf der ganzen Welt durch nichts aufhalten lassen, um gemeinsam am 8. März auf der Straße zu stehen. In Deutschland und weltweit trotzten Demonstrantinnen Polizeigewalt und trugen ihre vielfältigen Forderungen an die Öffentlichkeit. Von einigen Aktionen können wir hier berichten:

Berlin

20.000 Menschen zogen laut und kämpferisch durch die Hauptstadt.

Besonders präsent war auf der Demo des „Frauen*Streik Komitees“ die Parole „Bayer enteignen!“. Damit forderten die TeilnehmerInnen selbst bestimmte, kostenlose Verhütungsmittel. Der Bayer-Konzern solle nicht länger die Selbstbestimmung von Menschen, die schwanger werden können, regulieren und damit Profite machen.

Duisburg

In Duisburg wurde das Wochenende des 8. März noch um einen Tag verlängert. Doch schon im Vorhinein kriminalisierte die Polizei die von „Zora“ organisierte Kundgebung: „In den Auflagen der heutigen Kundgebung werden alle Zeichen, Symbole, Transparente, Fahnen usw. verboten, die militante und mutige Frauen symbolisieren. Der Deutsche Staat greift unsere Meinungsfreiheit an und versucht unsere internationale Solidarität zu stoppen. Doch wir lassen uns nicht zum schweigen bringen! Jetzt erst recht! Kommt heute Abend um 17 Uhr zur Kundgebung nach Duisburg (Königstr. / Nähe HBF) und protestiert mit uns. Jin Jîyan Azadî!“

Aachen

Eine Demonstration in Aachen hatte gestern rund 250 TeilnehmerInnen. Beinahe wäre sie von einem Naziangriff und dem darauf folgenden Großeinsatz überschattet worden. Zwei ortsbekannte Neonazis der Gruppe „Syndikat 52“ griffen die Demonstration mit einem Messer, Pfefferspray und Quartzhandschuhen an. Verletzt waren am Ende nur die beiden Angreifer.

Münster

In Münster begann der Frauenkampftag schon am 7.3. mit der Demo „Reclaim the Streets“. Das „Frauen*Streik Bündnis“ der Stadt hatte sie organisiert. Hunderte Frauen folgten dem Aufruf und blockierten während der Demonstration Verkehrsknotenpunkte mit einer Aufführung von „El violador eres tu“. Bei einem Halt vor der Polizeiwache prangerte ein Redebeitrag insbesondere Polizeigewalt gegen Frauen an.

Leipzig

Das „Fem*Streikbündnis“ in Leipzig mobilisierte in Zusammenarbeit mit verschiedensten Initiativen 3.000 Menschen zur Demonstration. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, sich einem von 10 thematischen Blöcken anzuschließen. Auch in Leipzig führten einige die Performance von Las Tesis auf. Diese thematische Vielfalt und organisatorische Schwierigkeiten führten dazu, dass „sich Redebeiträge gegenseitig übertönten und die Inhalte aus den Reden von Zuschauer*innen kaum wahrnehmbar waren“, so eine Teilnehmerin. Die Stimmung habe einer „hedonistischen Spaß- und Partyattitüde“ entsprochen:
„Mit einem Feminismus, welcher keine Klassenfrage stellt, welcher dafür sorgt, dass der 8. März nicht mehr als ein Happening zum Sonntag ist, erreichen wir nichts. Das Patriarchat in all seinen Facetten lässt sich weder wegglitzern noch wegtanzen. Wir brauchen Geschlossenheit und Mut, um unsere Wut auf die Straßen zu tragen.“

Köln

Das „Kölner Frauen*streikbündnis“ konnte sich freuen, die Mobilisierung im Vergleich zum letzten Jahr fast verdoppelt zu haben. Rund 4.000 Menschen waren zur Demonstration durch die Innenstadt gekommen, ein Großteil Frauen, inter, trans und nicht-binäre. Die Demonstration war von einer 24-stündigen Mahnwache eingeleitet worden.

Ganz vorn lief der „Care“ Block unter dem Motto „We strike, because we care!“ (Auf deutsch doppeldeutig: Wir streiken, weil wir pflegen! / Wir streiken, weil es uns etwas angeht!). Auch in den Redebeiträgen waren immer wieder die Frauen präsent, die am Wochenende bezahlter oder unbezahlter Arbeit nachgehen müssen. Wie auch in manchen anderen Städten blieb ein Block der Demonstration leer für alle, die nicht oder nie wieder an der Demonstration teilnehmen können.

Schweiz: Zürich

In Zürich war die Demonstration der Frauen, zu der auch das „Frauenstreikkollektiv aufgerufen hatte, verboten worden. Also besetzten schon eine Tag vorher rund 300 Personen den Züricher Central Platz. Die Begründung, dass die Ansteckungsgefahr durch den Coronavirus zu hoch wäre, verurteilten die Veranstalterinnen als vorgeschoben.

„Die Notfallübung des Bundes schützt nicht die Bevölkerung sondern die Wirtschaft. Denn diejenigen, die der Ansteckungsgefahr am meisten ausgesetzt sind, sind Detailhandelsangestellte im Supermarkt, Pendler*innen zu Stosszeiten, Pflegekräfte in Spitälern und Heimen oder Betreuer*innen in Kitas und Schulen.
Solange Supermärkte, Bahnhöfe und Pendlerzüge nicht reorganisiert werden müssen, sehen wir keinen Grund, warum Veranstaltungen im Freien und in Bewegung, an denen man den Abstand zu anderen Menschen selbst regulieren kann, nicht stattfinden sollen. Umso mehr rufen wir Personen, die in Pflege, Betreuung, Sexarbeit, Reinigung, Gastronomie, Verkehr oder Detailhandel arbeiten, zum Streik auf, da sie möglicherweise in unseren Aktionen besser vor einer Ansteckung geschützt sind als in ihrem Arbeitsumfeld. Auf zur Frauen*Demo am 7. März! Auf zum feministischen Streik am 8. März!“

So setzten sich rund 2.000 FLINT* über das Verbot hinweg. Das „Gastra-Kollektiv“ führte eine Performance auf, die auch Frauen in anderen Städten inspirierte:

Damit demonstrierten sie gegen die furchtbaren Arbeitsbedingungen und Erwartungen an Frauen im Gastrogewerbe.

Raqqa

Noch vor wenigen Jahren war Raqqa die Hauptstadt des IS. Frauen, die am 8. März auf der Straße ihre Parolen riefen, begaben sich in Lebensgefahr.

Türkei: Istanbul

Jedes Jahr in der Nacht des 8. März gehen tausende Frauen in Istanbul auf die Straße und fluten die großen Plätze. Von Verboten und Polizeigewalt lassen sie sich nicht aufhalten, auch dieses Jahr nicht. Unter den mutigen Dmeonstrantinnen gab es auch in diesem Jahr viele Verletzte durch Polizeigewalt.

Chile: Santiago

Mehr als zwei Millionen Frauen haben sich die Straßen von Santiago genommen. Das sind mehr, als es jemals zuvor waren.

https://twitter.com/ChalecosAmarill/status/1236946382315012096

Sie haben ihren Protest mit den politischen Aufständen im vergangenen Jahr verbunden.

Mexiko

50.000 Menschen aller Geschlechter nahmen an der alljährlich stattfindenden Demonstration in Mexiko-Stadt teil. Sie zogen zum Nationalpalast. Die Polizei hatte zwar Teile des Gebiets weiträumig abgesperrt, einige Demonstrantinnen rissen die Barrikaden aber nieder.

Im Laufe der Demonstration gab es mehrere Explosionen durch Molotows. Frauen sollen „eindringende Männer“ beschuldigt haben, die Flaschen auf die Demonstration und den Nationalpalast geworfen zu haben, so die nationale Presse. Allerdings gibt es auch zahlreiche Aufnahmen und Statements von Frauen, die Brände gelegt und Staatseigentum beschäftigt haben, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Polizei griff die Proteste unter anderem mit Tränengas an. Die Parolen der Frauen richteten sich vor allem gegen das Verschwindenlassen von Frauen und gegen Femizide.

Indien: Kerala

Im Bundesstaat Kerala organisierten Frauen eine Menschenkette, die so lang war, dass sie durch mehrere Städte führte. Insgesamt 620 Kilometer reichte die Frauenkette zum Tempel Sabarimala. Denn zu ihm ist seit 1991 fast allen Frauen der Zutritt verwehrt. Rund 5 Millionen Frauen nahmen daran teil. Ihre Forderungen gingen aber auch über den Tempelzugang hinaus: Die konservative Regierung schränkt Frauen in Indien immer stärker ein.


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