Am 1. Juni vor über drei Jahren stirbt Savas Karakas bei einem Polizeieinsatz in Frankfurt-Höchst. Der 42-jährige mit türkischem Migrationshintergrund ist während des Einsatzes nackt und unbewaffnet. Er stirbt einen „lagebedingten Erstickungstod“, als die Polizeibeamten ihn auf sein Bett drücken. Im Februar 2020 werden die Ermittlungen zu dem Fall eingestellt. Nun ist klar: Noch nicht einmal eine interne Disziplinarmaßnahme wird es geben.

Es ist Anfang Juni im Jahr 2017. Die Brüder von Savas Karakas teffen sich gemeinsam mit dessen Frau und einem medizinischen Betreuer vor einem Haus in Frankfurt-Höchst. Hier lebt derzeit noch Savas Karakas. Er ist 42 Jahre alt und kommt ursprünglich aus der Türkei.

Seine Frau war Ende 2016 mit dem Sohn ausgezogen, da sich Karakas vollkommen isoliert  und niemanden mehr an sich heran gelassen habe. Zuletzt habe er sich von seiner Frau und anderen Mächten bedroht gefühlt. Er zeigt eine entwickelte Schizophrenie, die um den Jahreswechsel wieder stärker geworden war.

Seine Brüder haben für ihn ein „betreutes Wohnen“ organisiert. Nun soll er die Wohnung räumen und dorthin umziehen. Nach einer Räumungsklage, die seine Frau erwirkte, wollen die Brüder und seine Frau ihn dazu bewegen, zu gehen. Mit dabei: zwei Polizisten und ein Gerichtsvollzieher.

Die beiden Polizisten betreten die Wohnung und verlesen die Räumungsklage gegenüber Savas Karakas, der nur mit einem Handtuch bekleidet ist. Er lacht sie aus. Die Polizei ruft vier weitere Polizisten zur Verstärkung.

Tod durch Ersticken

Dann eskaliert die Polizei die Situation. Karakas‘ Frau wird von der Polizei gewaltsam aus der Wohnung gedrängt. Später werden von einem Arzt Blutergüsse deswegen attestiert.

Die Tür ist zu, Savas Karakas schreit. Was genau geschieht, ist unklar. Laut Frankfurter Rundschau vermutet ein Allgemeinmediziner, dass er einen „lagebedingten Erstickungstod“ erlitt. Zudem weist die Leiche des 42-Jährigen zahlreiche Verletzungen auf: dutzende, tief reichende Blutergüsse an Kopf, Hals, Rücken, Bauch und Armen, dazu ein teilausgerissenes Schultergelenk.

Familie von Mohamed Idrissi: „Ob er anders behandelt worden wäre, wenn er nicht dunkelhäutig gewesen wäre?“

Verfahren eingestellt

Gegen die sieben Polizeibeamten, die an dem Einsatz beteiligt waren, wird wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Doch das Verfahren wird im Februar 2020 eingestellt.

Das von den Beamten aufgewendete Maß an Gewalt sei „im Rahmen des unter den gegebenen Umständen Zulässigen“, heißt es in einer Antwort der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der FR. Also keine strafrechtlichen Konsequenzen.

Und auch disziplinarrechtlich – also polizeiintern – soll es keine Strafen geben. Das Polizeipräsidium Frankfurt erklärt, dass es keine „zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte“ gäbe, die „den Verdacht eines Dienstvergehens rechtfertigen“.

Ermittlungen gegen hessische Polizei weiten sich aus


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.