Am 26. September 1980 explodierte vor dem Haupteingang des Münchner Oktoberfestes eine Bombe, die 13 Menschen tötete und mehr als 200 verletzte. Bis heute ist Vieles rund um diesen faschistischen Terroranschlag ungeklärt. – Ein Kommentar von Kevin Hoffmann

Es war um 22:19 Uhr, als vor 40 Jahren mit dem Oktoberfest-Attentat einer der schwersten Anschläge der deutschen Geschichte verübt wurde. Trotz der, vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß „FJS“ (CSU) ausgegebenen Kampfrichtung „Der Feind steht Links“, war dieses Attentat wie andere Anschläge von Mitgliedern faschistischer Organisationen geplant und durchgeführt worden.

Die Bombe befeuerte den damaligen Bundestagswahlkampf des bayerischen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten FJS. Trotzdem reichte dies nicht aus und Helmut Schmidt (SPD) gewann die Wahl mit dem Slogan „Sicherheit für Deutschland“.

Nichts darf gegen den verwirrten Einzeltäter sprechen

Recht schnell nach dem Anschlag präsentierten die Ermittler den 21jährigen Gundolf Köhler als scheinbar verwirrten und in seinem Leben gescheiterten Einzeltäter. Obwohl Köhler nachweislich Mitglied der faschistischen Wehrsportgruppe Hoffmann war und an ihren militärischen Trainings teilgenommen hatte, konstruierte man ein scheinbar persönliches Motiv, nach dem Köhler gehandelt haben musste.

Zahlreiche Zeugenaussagen und Beweise, die Köhler unmittelbar vor dem Anschlag in Begleitung von mehreren Männern sahen, und Hinweise in seinem Auto zeugen von einer Gruppe von Tätern. Was aber nicht sein darf, kann nun mal nicht sein. So wurden die Ermittlungen zunächst 1982 beendet und nach einer Wiederaufnahme 2014 erst jetzt am 7. Juli 2020 endgültig für abgeschlossen erklärt. Zumindest, dass Köhler aus einer „rechtsextremistischen Motivation heraus gehandelt“ hat, ist nun offiziell anerkannt. Mittäter oder Hintermänner kann, bzw. will man bis heute nicht ausmachen.

Es müssen immer wieder Einzeltäter sein

Es ist egal, ob es sich um den Oktoberfest-Anschlag, das vermeintliche Terror-Trio des NSU oder andere rechtsextreme Anschläge und Massaker handelt: immer wieder wird uns die leidige und unglaubwürdige Einzeltäter-These präsentiert.

Hinzu kommen dann noch tausende Einzelfälle, in denen Staatsdiener offen ihre faschistische Ideologie zeigen oder als Mitglieder und als organisatorisches, sowie logistisches Rückgrat in Einzeltäter-Netzwerken auffliegen.

Und doch: Das dauerhafte Gefasel von Einzeltätern und Einzelfällen erfüllt auch heute noch seinen Zweck. Weit hinein bis in die linke Bewegung werden die rechten und faschistischen Strukturen im Staatsapparat, ihr freies Agieren im Untergrund und die vielen ermöglichten Gelegenheiten, einen faschistischen Anschlag nach dem nächsten durchzuführen, weiter als „Staatsversagen“ verkannt.

Dabei sollte uns längst klar sein: Das hier ist kein Versagen des Staates, sondern eben genau seine Funktion! Rechter Terror ist Staatsräson! Egal ob durch rassistische Polizeigewalt und mörderische Abschiebe- und Abschottungspolitik oder durch bewaffnete und mordend durchs Land ziehende, durch die Geheimdienste gestützte Mordkommandos.

 


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