Seit Wochen protestieren vor allem junge Nigerianer:innen gegen die Polizeigewalt, die von der Special Anti-Robbery Squads (SARS) ausgeht. Die Polizei versuchte die tagelangen Proteste mit Schusswaffen zu beenden, doch die Demonstrant:innen wollen erst aufgeben, wenn ihre Forderung erfüllt ist: Die SARS soll abgeschafft werden.

Die SARS-Einheiten sollten eigentlich organisiertem Raub entgegenwirken. Stattdessen berichten vor allem junge Nigerianer:innen immer häufiger, dass sie Opfer eines Raubs durch die SARS selbst wurden.

Den Betroffenen zufolge spüren die Einheiten bei ihren Kontrollfahrten dabei Jugendliche auf, die den Anschein erwecken, Wertgegenstände bei sich zu tragen. Unter dem Vorwand, sie des Raubs zu beschuldigen, durchsuchen sie persönliche Daten wie Handys. Mehrere Jugendliche berichten auch von Morddrohungen und davon, von den Polizist:innen gezwungen worden zu sein, Geld abzuheben und den SARS zu geben.

Die Demonstrant:innen beschuldigen die SARS auch zahlreicher Morde.

Einer der Organisator:innen der Proteste, Falana, bekannt unter dem Künstlernamen Falz, erklärt, wofür er auf die Straße geht. „Die Menschen posten schon seit Jahren online darüber, aber es hat immer die gleiche gleichgültige Haltung und Reaktion darauf gegeben. Nichts ändert sich und die Leute werden weiter drangsaliert. Deswegen sind wir auf die Straße gegangen und wollen, dass die Regierung uns hört.“

Falz ist berühmt für sein Cover des Songs „This is America“. Mit dem Titel „This is Nigeria“ macht der Künstler auf Gewalt und Korruption im bevölkerungsreichsten Land Afrikas aufmerksam.

Neben dem von Prominenten und Influencer:innen organisierten Protest in der Hauptstadt protestierten auch in vielen kleineren Städten Gruppen von Jugendlichen.

Tagelange Proteste und Polizeigewalt

Der Widerstand war nicht nur auf Hauptinsel von Nigerias größter Stadt, Lagos Island, begrenzt, sondern fand auch auf dem Festland von Lagos statt. Dort organisierten Demonstrant:innen und Künstler:innen drei Nächte lang eine Mahnwache. Videos zeigen, wie Polizeikräfte die Straßenlaternen ausschalten, die Demonstrant:innen auseinandertreiben und ihre Zelte zerstören.

Bei den Auseinandersetzungen mit der Polizei gab es zahlreiche Verletzte. Die Polizei setzte Tränengas und Schusswaffen gegen die Protestierenden ein. Mindestens zwei Menschen sind durch die Polizeigewalt getötet worden.

Erste Erfolge – Proteste hören nicht auf

Der Widerstand in Nigeria zeigt bereits erste Erfolge. Es ist den SARS-Einheiten nun untersagt, Routinedurchsuchungen durchzuführen. „Die Stimmen und Beschwerden zu Problemen mit unprofessionellen SARS-Mitgliedern wurden laut und deutlich gehört.“, so ein Statement des Polizeichefs Mohammed Adamu.

Doch damit geben sich die Demonstrant:innen nicht zufrieden. Aktuell läuft eine weitere Großdemonstration durch Nigerias Hauptstadt Abuja. Dort hatte die Polizei am Freitag und Samstag sogar auf die Protestierenden geschossen.

Die Demonstrant:innen auf dem Video singen „Solidarity forever!“, ein bekanntes Lied der US-amerikanischen Arbeiter:innenbewegung. Der Nutzer schreibt dazu: „Sie haben am Freitag in Abuja auf uns geschossen, wir kamen am Samstag zurück. Am Samstag haben sie auf uns geschossen und heute sind wir wieder da, noch GRÖßER und WÜTENDER. Die einzige Verhandlung, die wir akzeptieren werden, ist SARS zu beenden. Tränengas und Geschosse schüchtern uns nicht ein. #ENDSARS“.


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