Das deutsche Pharmaunternehmen Biontech entwickelt gemeinsam mit dem US-Pharma-Riesen Pfizer einen Impfstoff gegen das Coronavirus. In einer klinischen Studie gibt es erste Erfolgsmeldungen. Nun soll die Zulassung für die westlichen Märkte beantragt werden, und in Deutschland bereitet sich das Unternehmen auf die Massenproduktion zu.

Die Meldung, ein Durchbruch bei der Impfstoffentwicklung stünde unmittelbar bevor, hat spontan zu einem Steigen diverser Börsenkurse geführt. Nicht nur in der Gesellschaft, auch in der Wirtschaft sind die Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie groß.

Bei einer Studie mit 29.000 Proband:innen haben Biontech und Pfizer eine 90%-Wirkungswahrscheinlichkeit ihres Impfstoffkandidaten ermittelt. Jedoch läuft die Studie noch. Bisher haben sich lediglich 94 der Proband:innen mit Corona infiziert, offenbar die meisten aus der Placebo-Gruppe.

Biontech hat zugleich angekündigt, das Werk des Pharmaunternehmens „Novartis“ in Marburg übernehmen zu wollen, um eine Produktionskapazität von bis zu 750 Millionen Dosen pro Jahr zu erreichen. Mit den Impfungen in Deutschland soll frühstens im Frühjahr begonnen werden. Dementsprechend stellte das RKI (Robert Koch-Institut) heute bei seiner Pressekonferenz eine Fortführung harter Einschnitte im öffentlichen Leben in Aussicht.

Die Bundesregierung betont weiterhin, dass sie auf die Freiwilligkeit der Bürger:innen setze, eine Impfpflicht sei nicht vorgesehen. Gesundheitsminister Spahn sagte, eine Impfrate von 55 bis 65 Prozent sei das Ziel, um die Verbreitung der Pandemie nachhaltig zu stoppen.

Die Bundesregierung wolle zuerst die verletzlichsten Teile der Gesellschaft mit Impfstoffen versorgen sowie die Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitssektor. Das Gesundheitsministerium ließ verlautbaren, dass Deutschland sich 100 Millionen Dosen sichern wolle. Die EU hatte gemeinsam Impfstoffe bestellt. 100 Millionen Einheiten wären ein Drittel aller bestellten Impfstoffe und knapp doppelt soviel, wie Deutschland anhand seiner Einwohner:innenzahl eigentlich zustünde.

Einer Befragung des Hamburger „Center for Health Economics“ zufolge, die seit April alle zwei Monate durchgeführt wurde, ist die Bereitschaft der EU-Bürger:innen, sich impfen zu lassen, deutlich zurück gegangen. Im April gaben noch 70% der Befragten an, zu einer Impfung bereit zu sein, im September waren es nur noch etwas mehr als die Hälfte.

Neben prinzipiellen – oft esoterisch motivierten – Impfgegner:innen, wie sie sich zum Beispiel bei den Querdenker-Protesten finden, könnten ein Grund für die Skepsis auch Erfahrungen mit vorherigen Impfstoffen sein, die gegen Pandemien zum Einsatz kamen. So ist mittlerweile nachgewiesen, dass eines der Präparate gegen die sogenannte „Schweinegrippe“ bei geimpften Kindern die Schlafkrankheit Narkolepsie auslöste, bei der Betroffene unwillkürlich im Alltag einschlafen oder extrem müde werden.


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