In Schottland wird erstmals weltweit ein Gesetz verabschiedet, das staatliche Institutionen verpflichtet, in ihren Toilettenräumen Menstruationsartikel kostenlos zur Verfügung zu stellen. In den nächsten Monaten wird das Gesetz in ganz Schottland umgesetzt.

Nach einer vierjährigen Kampagne wurde am Dienstag in Schottland ein Gesetz angenommen, das staatliche Institutionen dazu zwingt, Hygieneartikel kostenlos für alle, die sie brauchen, bereit zu stellen. Es ist das erste Land auf der Welt mit einem solchen Gesetz. Damit schließt das Gesetz an ein älteres schottisches Gesetz an, das Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen schon seit 2017 dazu verpflichtet hatte.

Während der letzten Jahre wurde eine umfassende Kampagne zu dem Thema in Angriff genommen. Aktuell ist es nicht unüblich, dass etwa Restaurants von sich aus entscheiden, diese Hygieneartikel zur Verfügung zu stellen. Das Thema wurde in der letzten Zeit in Schottland regelmäßig in den öffentlichen Debatten in Fernsehen oder Radio besprochen.

Zu arm für Hygieneartikel

Die Gruppe „Women for Independence“ (übersetzt: Frauen für die Unabhängigkeit) schätzt, dass Frauen in Schottland im Schnitt etwa 13 Pfund im Monat für Menstruationsartikel ausgeben. Das belastet besonders die Frauen, die in Armut leben. Diese können sich die entsprechenden Hygieneartikel oft nicht leisten. Das wird in Großbritannien als „period poverty“ beschrieben. Laut der Women for Independence erlebt fast jede fünfte Frau diese Art der Armut.

Besonders in der aktuellen Krise steigt die Nachfrage nach kostenfreien Hygieneartikeln, wie die Wohlfahrtsorganisation „Bloody Good Period“ (BGP) berichtet. Sie gibt kostenlose Menstruationsartikel an verschiedene soziale Projekte weiter. Die BGP beobachtet einen Anstieg bei den Frauen, die auf das Wohlfahrtsprogramm angewiesen sind, um fast 600%.

Auch in Deutschland wird das Thema immer häufiger aufgenommen. Erst im Januar wurde die Steuer auf Tampons und Binden von 19% auf 7% gesenkt.


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