Durch die extremen Minusgrade sind in den vergangenen Wochen mehrere obdachlose Menschen erfroren. Viele von ihnen meiden die Notunterkünfte in NRW. Derweil gibt es eine gesellschaftliche Debatte und viele Initiativen, die fordern, leerstehende Hotels freizugeben.

Sven Lüdecke, Geschäftsführer des Kölner Vereins „Little Home“ zeigte sich auf Anfrage des WDR verständnisvoll, warum obdachlose Menschen die Sammelschlafstätten meiden. Er fordert, das gesamte System der Notschlafplätze umzudenken. Mit seinem Verein „Little Home“ will er genau das erreichen und baut für obdachlose Menschen sogenannte „Tiny Houses“: Ein 3,2qm großer Raum, mit Matratze, Regal und Toilette. Dabei sei ihm bewusst, zwar „kein großes Reich – aber eines mit Privatsphäre“ zu bauen .

Mangelnde Privatsphäre

Mangelnde Privatsphäre ist ein wesentliches Problem, das viele Menschen abhält, in Notunterkünfte zu gehen. Oftmals gibt es in den großen Räumen nicht einmal Trennwände, sodass sich viele Wohnungslose zwischen Privatsphäre oder Kälte entscheiden müssen.

Auch ist die Mitnahme von Hunden, die für obdachlose Menschen oft zentraler Ankerpunkt ihres Leben sind, nicht gestattet.

Angst vor Corona

Neben der fehlenden Privatsphäre nennen viele Menschen auch die berechtigte Angst, sich in den vollen Unterkünften mit dem Coronavirus anzustecken.

Um diese gefährliche Situation zu ändern, machen sich 32 Vereine in Bochum dafür stark, die leerstehenden Hotels oder öffentliche Einrichtungen zu öffnen und schrieben daher einen Eilbrief an den Oberbürgermeister. Sie fordern kommunale Förderung dafür, dass Hotels obdachlose Menschen aufnehmen. Bisher waren solche Übernachtungen sporadisch durch Spenden finanziert worden.

Doch auch in anderen Städten gab es zum Teil erfolgreichen Protest: so sind etwa in Düsseldorf, Essen und Dortmund mehrere Hotels angemietet. Und in Köln kommt von der SPD der Vorschlag, z.B. das Bordell „Pascha“ für Obdachlose zu öffnen.


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