Nach mehr als drei Jahre andauernder Proteste werden die umstrittenen Montagsspiele in der ersten Fußballbundesliga wieder abgeschafft. Fan-Widerstand hat damit der Profitmaximierung des DFB und der TV- und Radio-Unternehmen einen Riegel vorgeschoben. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Der Profifußball war die erste Sportart, die in Deutschland seit der Pandemie wieder aufgenommen wurde. Viele Menschen haben die Wiederaufnahme nicht verstanden, denn während sie selbst alle zu Hause bleiben mussten, durfte Fußball gespielt werden. Amateursportvereine mussten weiterhin ihre Sportplätze geschlossen halten, während in den großen Fußballtempeln gekickt wurde. Die Spitze des Eisbergs einer langen Kommerzialisierung des Fußballs.

Als Mitte des letzten Jahrhunderts der Gelsenkirchener Fußballverein „FC Schalke 04“ behauptete, ein traditioneller Bergarbeiterverein zu sein, glaubten das noch viele Anhänger:innen. In dieser Zeit aber stiegen die Gehälter der Fußballer:innen, und der erste Unmut der Bevölkerung gegen das „System Fußball“ kam auf. Niemand, der damals auf der Zeche arbeitete und gerne Fußball guckte, verstand so richtig, warum seine Arbeit weniger wert war als die der Fußballspielenden, die den ganzen Tag ihrem „Hobby“ nachgehen können. Mittlerweile sind alle vierzehn Zechen in Gelsenkirchen geschlossen und „Schalke“ erhielt sein Geld bis 2020 aus noch viel unseriöseren Quellen: z.B. von Clemens Tönnies, dem Milliardär, der das Leben seiner Arbeiter:innen während der jetzigen Pandemie aufs Spiel setzte.

Doch nicht nur die Gehälter haben sich erhöht. Durch TV-Gelder und unzählige Liga-Reformen wurde der Fußballsport immer weiter verzerrt: Spiele fanden beispielsweise seit Jahrzehnten immer samstags um 15:30 Uhr statt. Diese Zeiten wurden wegen der Profit-Interessen immer weiter auseinander gezogen. So kam es nach den Sonntags- und Mittwochsspielen (ab 2006/07) sogar soweit, dass montagabends Fußballspiele der Bundesliga angesetzt wurden. Das Auseinanderreißen der Spielzeit diente dabei allein der größtmöglichen Vermarktung der Sendezeiten bei der Übertragung der Spiele in Fernsehen und Radio.

Für fußballuninteressierte Arbeiter:innen ein lästiger Wochentag, wie jeder andere. Für fußballinteressierte Arbeiter:innen hingegen war es fast unmöglich, zu den Montagspielen ihre Mannschaft im Stadion zu sehen – zumal sie teilweise durch die gesamte Republik reisen müssen, um ihren Verein bei einem Auswärtsspiel zu unterstützen.

Fan-Proteste gegen „Industrialisierung“ des Fußballs

Seit der Zerstückelung des Spieltags setzten die Fan-Proteste ein. Mit der Einführung der Montagsspiele zur Saison 2017/18 weiteten sich diese Unmutsbekundungen immer weiter aus: Nicht nur die Anhänger:innen eines Vereins, sondern alle Fans – von der Dritten bis zur Ersten Liga – protestierten gemeinsam.

Teilweise wurden unübersehbare und unmissverständliche Spruchbänder hinter den Toren angebracht, die auf den Kommerzialisierungswahn des Deutschen Fußball Bunds (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) hinwiesen, und welche die TV-Anstalten nicht ausblenden konnten. Auch andere Aktionen wie der schon zum Alltag gewordenen Fangesang „Fußballmafia DFB“ erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass die TV-Anstalten ihre Lautsprecherausrichtung zum Publikum hin auf ein Minimum reduzieren mussten. Diese und weitere Protestformen beendeten nun die Montagsspiele in der ersten Fußballbundesliga.

Auch wenn in den unteren Ligen des DFL weiterhin die Montagsspiele stattfinden, ist dieser Teilerfolg ein Zeichen dafür, den Widerstand fortzusetzen. Durch die massiven Proteste wurde den Profitinteressen des Ligaverbands ein Stück weit Einhalt geboten.

Auch wenn in den nächsten Jahren der Fußball immer weiter industrialisiert werden wird, so lässt sich daraus auch lernen, dass nur eine geballte Masse erfolgreichen Protest durchsetzen kann. Auch in Zeiten der Pandemie und Wirtschaftskrise dürfen wir nicht aufhören, uns zu echauffieren und gemeinsamen Widerstand zu organisieren.


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