Noch im vergangenen Monat hatten Wirtschaftswissenschaftler:innen von einer „Aufholjagd“ des deutschen Exports gesprochen. Nun sinken die Exportzahlen zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr. Der Industrieverband „BDI“ prognostiziert einen „schwierigen Herbst“.

„Aufholjagd der Export-Wirtschaft“ titelten noch im vergangenen Monat einige Wirtschaftsberichte. 15 Monate in Folge nahmen die Exporte kontinuierlich zu. Dieser Export-Boom nimmt im Oktober offenbar sein Ende. Schon im Juli wurde das Wachstum schwächer und stiegt nur noch um 0.5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Gesamtwert der Exporte mit 115 Milliarden Euro dennoch 12.5 Prozent mehr.

„Volle Auftragsbücher allein sind noch keine Garantie für künftige Exporterfolge. Probleme in den globalen Lieferketten, hohe Logistikkosten und ungeklärte Handelsstreitigkeiten sind dunkle Wolken am Konjunkturhimmel“, warnte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

Für den Einbruch machte der DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier vor allem die Lieferengpässe und Materialmangel verantwortlich. „Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen sowie die temporären Schließungen chinesischer Häfen bringen das Uhrwerk der internationalen Lieferketten derzeit aus dem Takt“. 42 Prozent der vom BDI befragten Unternehmen können derzeit ihre Aufträge nicht abarbeiten. 26 Prozent müssen aufgrund von Materialmangel die Produktion drosseln oder sogar stoppen.

Kommt die „Stagflation“?

Trotz des Einbruchs liegen die Exporte noch über dem Niveau von vor Pandemie und Wirtschaftskrise. Die Importe steigen hingegen weiter kräftig. Dafür machen Expert:innen unter Anderem die steigenden Energiepreise verantwortlich, die die Wirtschaftsleistung in Deutschland hemmen würden. Sie warnen vor einer „Stagflation“: Die Preise steigen weiter an, die Wirtschaftsleistung stagniert jedoch.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.