Ein Bericht der Vereinten Nationen stellt fest, dass im vergangenen Jahr die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einen neuen Höchststand gestiegen ist. Damit wird das unverbindliche Ziel einer maximalen Erwärmung unseres Planeten von zwei Grad wohl weit verfehlt werden.

Trotz Weltwirtschaftskrise und der Einschränkungen durch die Pandemie-Bekämpfung erreichte der Ausstoß an Treibhausgasen in die Atmosphäre im vergangenen Jahr einen neuen Rekord. Selbst die Wirtschaftskrise, die Unterbrechungen der Lieferketten und die Lockdowns konnten daran nichts ändern. Das Ziel, den Anstieg der Temperaturen auf dem Planeten zu verlangsamen, wurde nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) „weit verfehlt“.

Die Organisation der Vereinten Nationen teilte am Montag mit, dass der Kohlendioxidgehalt trotz eines leichten Rückgangs der Emissionen im Jahr 2020 mit 413,2 ppm (Teilchen pro Millionen Teilchen) um mehr als den Zehnjahresdurchschnitt angestiegen ist. Methan und Distickstoffmonoxid, zwei weitere starke Treibhausgase, hätten ebenfalls zugenommen, so die WMO in der neuesten Ausgabe ihres „Greenhouse Gas Bulletin„. Der Bericht erscheint im Vorfeld der 26. UN-Klimakonferenz, die nächste Woche in Glasgow, Schottland, stattfinden wird.

Erwärmung von drei Grad Celsius und mehr zu erwarten

„Bei der derzeitigen Steigerungsrate der Treibhausgaskonzentrationen werden wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts einen Temperaturanstieg erleben, der weit über die im Pariser Abkommen festgelegten Ziele von 1,5 bis 2 °C über dem vorindustriellen Niveau hinausgeht“, äußerte sich WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. „Wir sind weit vom Weg abgekommen“, resümierte er.

Der Kohlendioxidgehalt war seit mindestens drei Millionen Jahren nicht mehr so hoch wie im letzten Jahr 2020. Das letzte Mal, dass die Erde einen vergleichbaren Kohlendioxidgehalt in die Atmosphäre abgab, war vor drei bis fünf Millionen Jahren, als die globale Durchschnittstemperatur 2 bis 3 Grad Celsius höher war und der Meeresspiegel 10 bis 20 Meter höher lag als heute, so Taalas.

Nach Angaben der WMO wird nur die Hälfte des vom Menschen ausgestoßenen Kohlendioxids von den Ozeanen und den Landökosystemen absorbiert. Die andere Hälfte verbleibt in der Atmosphäre, und die Gesamtmenge in der Luft reagiert empfindlich auf Klimaänderungen und auf Änderungen der Landnutzung, etwa wenn Wälder gerodet werden. Das führe dazu, dass die Kohlendioxidwerte auch im letzten Jahr trotz Rückgangs der Wirtschaft angestiegen seien.

Die Kohlendioxidemissionen haben also in den letzten zehn Jahren massiv zugenommen, außerdem aber hätten sich dazu verschärfend die sogenannten „carbon-sinks“, also unsere Kohlenstoffspeicher, deutlich verkleinert. Zu den carbon-sinks zählen große Waldgebiete, die eigentlich dem Klimawandel entgegenwirken könnten, aber durch ihre Rodungen und Brände ihren Effekt einbüßen oder sogar umkehren.


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