Zu den sicheren Methoden, eine Schwangerschaft abzubrechen, zählt der medikamentöse Abbruch mit Misoprostol. Nicht nur, dass Abbrüche in Deutschland kriminalisiert sind: Das Gesundheitsministerium erschwert die Verfügbarkeit des laut WHO „essentiellen Medikaments“.

„Cycotec“ ist ein Medikament mit dem Wirkstoff Misoprostol. Seit dem April 2021 darf es in Deutschland nicht mehr verkauft werden. Als Begründung nennt das Gesundheitsministerium Unklarheiten über die Nebenwirkungen des Medikaments bei der Geburtseinleitung. Das Bündnis „Doctors for choice“ schreibt dazu:

„Cytotec® (Misoprostol) ist jedoch mehr als das und nicht ohne Grund seit 2009 von der WHO auf der Liste der „essentiellen Medikamente“ aufgeführt. Diese Medikamente sollen laut WHO in einem funktionierenden Gesundheitssystem in notwendiger Dosierung und zu einem vernünftigen Preis verfügbar sein.

Eigentlich wurde Misoprostol als Magenschutzmittel entwickelt und ist dafür weltweit zugelassen. Es hat sich aber gezeigt, dass es den Gebärmutterhals weich macht und Kontraktionen der Gebärmutter auslöst. Deshalb wird Cytotec® für viele weitere und andere Indikationen mittlerweile im sogenannten „Off-Label-Use“ verwendet, beispielsweise auch als zweites Medikament bei einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch.“

In einem offenen Brief von Doctors for Choice, der „Deutschen
Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe“ (DGGG) und der Initiative „Mehr als Du denkst, weniger als Du denkst“ heißt es:

„Durch die Zugangsbeschränkungen muss jetzt auf ein deutlich teureres Medikament (MisoOne) zurückgegriffen werden und es ist komplizierter, es zu bestellen. Aus dem Ausland kann Cytotec jetzt nur noch als Einzelimport bestellt werden. Auch das ist aufwändiger und teurer.

Das Bundesministerium reagierte auf die Stellungnahme wie folgt: ’sie seien zuversichtlich, dass mit der Verfügbarkeit von MisoOne die Versorgungslage gesichert ist‘. Auf die Bestellschwierigkeiten und Verteuerung wird nicht eingegangen.

Es wird damit in Kauf genommen, dass sich die ohnehin schon unzureichende Versorgung von ungewollt Schwangeren noch weiter verschlechtert. Wir fordern daher das Gesundheitsministerium auf, die Zugangsbeschränkungen zurück zu nehmen und dafür zu sorgen, dass Misoprostol für alle Anwendung wieder zu einem vernünftigen Preis erhältlich ist!“


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