In Deutschland empören sich Medien und Politiker:innen über den Einsatz von Hunger als Kriegswaffe durch die Russische Föderation im Krieg um die Ukraine. Aber macht die Bundesrepublik wirklich etwas anderes? Ein Kommentar von Julius Strupp

„Russland führt diesen brutalen Krieg nicht nur mit Panzern, Raketen und Bomben. Russland führt diesen Krieg mit einer anderen furchtbaren und kräftigen Waffe: Hunger und Entbehrung. Mit der Blockade ukrainischer Häfen, der Zerstörung von Getreidesilos, Straßen, Schienen und Feldern hat Russland einen Kornkrieg begonnen, der eine weltweite Ernährungskrise auslöst“, meinte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock in der letzten Woche bei einer UN-Konferenz.

Der Vorwurf: Russland nutze Hunger als Kriegswaffe, mit der es etwa Flüchtlingsströme verursachen und Gefolgschaft erkaufen wolle. Damit hat Baerbock zwar recht. Was sie dabei unterschlägt: Die anderen imperialistischen Mächte wie zum Beispiel Deutschland sind Russland bei Leibe nicht moralisch überlegen!

Auch die BRD nimmt den Hunger der Völker und Arbeiter:innen in Kauf!

Zunächst der Elefant im Raum: Selbst in diesem Krieg hat auch Deutschland Hunger genutzt, um „Gefolgschaft zu erkaufen“. Die Sanktionen gegen Russland hatten nämlich genau dieses Ziel: Die russische Bevölkerung durch eine erzwungene Verschärfung ihrer Lebensbedingung gegen die Herrschenden aufzubringen und auf die Seite des „Westens“ zu ziehen.

Doch auch zuvor haben deutsche Konzerne andere Länder ausgepresst und das Elend der Arbeiter:innen dort in Kauf genommen. Dazu zählen insbesondere die ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens, Albanien oder Rumänien, die unter anderem über die EU in deutscher Abhängigkeit gehalten werden.

Auch in den Beziehungen zu afrikanischen Ländern setzt Deutschland auf Erpressung mit der EU. Ein Beispiel hierfür ist das Freihandelsabkommen EPA zwischen der Ostafrikanischen Gemeinschaft und der EU aus dem Jahr 2014. Diese schadet vor allem kleinen Bäuer:innen, in vielen Ländern bilden diese den größten Wirtschaftszweig. Deren Produkte können sich gegen die billigen und massenhaft produzierten Waren aus Europa nicht durchsetzen.

Dadurch werden die einseitige Entwicklung der Wirtschaft in neokolonial ausgebeuteten Ländern und ihre Abhängigkeit verstärkt. Als Kenia diesen Vertrag nicht unterschreiben wollte, wurden von der EU kurzerhand die Zölle auf kenianische Waren angehoben – die Unterschrift folgte wenig später. Das ist nur eins von vielen Beispielen, wie auch „westliche“ Großmächte die Existenzen von Millionen und Milliarden von Menschen bedrohen und deren Hunger und Elend billigend in Kauf nehmen, um den Absatz der eigenen Produkte zu erhöhen.

Russland, Deutschland, USA – keine Unschuldslämmer

Russland nutzt in diesem Krieg Hunger als Kriegswaffe – soviel ist klar. Doch nicht nur Russland und seine Verbündeten (z.B. China) tun das. Auch Deutschland, Frankreich, die USA und andere „westliche“ Imperialisten nutzen Hunger, um ihre Interessen durchzusetzen, ob im Krieg oder auf „friedlichem“ Weg.

Die drohende Welthungerkrise ist nicht aus dem Wahnsinn Putins entsprungen, sondern sie liegt in der Natur dieses Systems, indem einzelne mächtige Länder um Gebiete, Ressourcen und Profite kämpfen und dabei vor nichts zurück scheuen. Insbesondere auf die verlogenen Spielchen der Ampel-Regierung sollten wir nicht hereinfallen. Sie wird den Krieg nicht beenden. Das können nur wir und unsere Klassengeschwister auf der ganzen Welt – in konsequenten Kampf gegen alle imperialistischen Kriegstreiber!


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