Das „9-Euro-Ticket“ erlebte seine erste Bewährungsprobe zu Pfingsten. Die Bilanz fällt negativ aus: vielerorts vollkommen überfüllte Züge und Bahnen. Sie zeigt allerdings auch, wie sehnsüchtig sich die Menschen einen kostenlosen Nahverkehr wünschen. Doch spätestens ab September sollen die Preise gerade dafür wieder steigen. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz.

Im Zuge der Inflation steigen die Preise. Die Bundesregierung hat daher beschlossen, für drei Monate verschiedene Subventionen für uns, die Arbeiter:innenklasse, einzuführen. Mit dem „9-Euro-Ticket“ und der kurzfristigen Senkung der Preise an den Tankstellen sollen wir zufriedengestellt werden. Die Idee, das Ticket vor dem Frühjahr einzuführen, scheint auf den ersten Blick nicht schlecht: So können Familien in den Sommerferien wie schon zu Pfingsten kostengünstig durch Deutschland reisen. Auch andere Gruppen erhalten dadurch Mobilität.

Schon jetzt aber zeigen sich die jahrelangen Versäumnisse des Staats. Von Bayern bis nach Mecklenburg-Vorpommern: überfüllte Regionalzüge, S-Bahnen, Straßenbahnen und Busse sind das Ergebnis seiner neusten „Erfindung“ – des 9-Euro-Tickets. Seit Jahren fährt der ÖPNV auf Schmalspur. Fehlendes Personal und ungenügend ausgebaute Fahrstrecken führen dazu, dass wir schon unter normalen Umständen oft zusammengepfercht werden.

Wer unter solchen Umständen das 9-Euro-Ticket tatsächlich als billige Alternative zum Auto oder Fernverkehr nutzt, um in den Urlaub zu kommen, wird sich sehr schnell so fühlen, als sei eine 3. Klasse von der Deutschen Bahn eingeführt worden: Statt innerhalb “nur” einer Stunde im ICE ans Ziel zu kommen, kann sich die Fahrtzeit mit den Nahverkehrszügen schnell verdoppeln, und einen Großteil der Fahrt wird man außerdem wohl oft stehen müssen.

Teuerung ab September

Das beschlossene Paket der Bundesregierung verspricht darüber hinaus, nur bis Ende August zu gelten. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Preise für Mobilität dann explodieren werden: Verschiedene ÖPNV-Anbieter wollen die Preise ab September z.B. um 30 Cent erhöhen. Auch die Preise für Bahntickets werden zum Jahresende im Durchschnitt um 4,1% angehoben.

Was wir also gerade erleben, ist nichts anderes als eine Beschwichtigung der Verbrauchermassen. Die Inflation steigt z.Zt. so schnell, dass wir die realen Lohnsenkungen der Inflation schon jetzt ausbaden müssen. Das heuchlerische Angebot der Bundesregierung, für drei Monate die Kosten zu übernehmen, entpuppt sich als reine Farce!

Organisiert euch gegen die Abwälzung der Krise und Kriege auf unserem Rücken!
Der für viele überraschende Angriff auf die Ukraine hat den deutschen Imperialismus auf dem falschen Fuß erwischt. Nun werden dem Militär in Windeseile 100.000.000.000 Euro ins Maul gestopft, während wir ab September auch beim Bahnfahren wieder für Angriffskrieg, imperialistische “Verteidigung” und Inflation bezahlen.

Das dürfen wir so nicht hinnehmen und müssen einen kostenlosen Nahverkehr – gut und ausgebaut, verlässlich, zu jeder Zeit und dauerhaft – fordern. Wir müssen dagegen kämpfen, dass die Folgen von Rezession und Feldzügen immer wieder auf unseren Rücken ausgetragen werden.

Nur gemeinsam können wir entschlossen für diese Forderungen kämpfen! Organisiert euch beispielsweise im Solidaritätsnetzwerk, das diese Forderungen schon 2019 aufstellte. Wir müssen für unsere Interessen einstehen!


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