In der vergangenen Woche hat die Gruppe „Students For Future Duisburg“ im Rahmen der Public Climate School ein Programm mit Workshops und Vorträgen an der Universität Duisburg-Essen organisiert. Dabei standen Themen wie Klimagerechtigkeit und weitere soziale und gesellschaftliche Themen im Mittelpunkt. Was genau die Gruppe organisiert hat und was die Gruppe für Pläne an der Uni hat, darüber berichtet Julia von „Students For Future“ Duisburg im Interview.

Was ist die Public Climate School eigentlich?

Die Public Climate School ist eine Aktionswoche, während der bundesweit dezentral an Unis und Schulen ein Programm – man könnte auch sagen ein Schulprogramm – zur Klimakrise organisiert wird. Pro Semester, im Mai und im September, gibt es eine Woche, in der es dann kostenlose Vorträge, Workshops und so weiter gibt. Viel läuft auch online, einige Ortsgruppen arbeiten auch mit Dozierenden zusammen, das haben wir im letzten Jahr auch schon mal gemacht. Da haben dann Dozierende in der entsprechenden Woche eine Vorlesung an das Thema Klimagerechtigkeit angepasst.

Organisiert wird das alles von „Students For Future“ und „Fridays For Future“. Das Ziel ist es, eine Aktionswoche auszurichten, in der dann bundesweit an vielen Lerneinrichtungen über die Klimakrise und Klimagerechtigkeit gesprochen wird. Es soll also an vielen Orten auf die Klimakrise aufmerksam gemacht werden. Wir sind nicht die einzige Ortsgruppe, die ein eigenes Programm auf die Beine gestellt hat, aber schon eine der wenigen.

Was konkret habt ihr organisiert und welches Ziel hattet ihr dabei?

Wir haben von Montag bis Freitag ein Programm aus Vorträgen und Workshops organisiert und dabei viel Zeit zum Kennenlernen und Austauschen gehabt.

Begonnen haben wir am Montag mit einem Workshop zum Thema kritische Männlichkeit patriarchalem Verhalten den Kampf angesagt und in einem FINTA-Café (Frauen, inter, nicht-binäre, trans, ageschlechtliche Personen) über die Wichtigkeit von Selbstorganisierung diskutiert und uns über unsere alltäglichen Erfahrungen mit patriarchaler Gewalt ausgetauscht. Anschließend haben wir in einem Vortrag das Greenwashing des G7-Gipfels entlarvt und aus vergangenen Protesten gelernt.

Am Dienstag starteten wir mit einem interaktiven Workshop vom Campus Garten zum Thema Fairtrade. Am Abend berichtete uns dann die sozialistische Journalistin Arzu Demir von der aktuellen politischen Lage in der Türkei und dem kurdischen Befreiungskampf.

Der Mittwoch war schließlich ganz dem globalen Ausmaß der Klimakrise gewidmet. In einem Workshop und einer Diskussion haben wir uns damit beschäftigt, welche Teile der Welt und welche Menschen besonders von der Klimakrise betroffen sind, wer sie verursacht und wieso dies so ungleich verteilt ist.

Diese Frage führt unmittelbar zum Thema Kolonialismus. Der Zusammenhang zwischen Klimakrise und Kolonialismus war auch im Fokus des Vortrags der studentischen Initiative „Decolonize and Diversify Economics“ am Donnerstag.

Freitag sind wir dann unter dem Motto „Klimagerechtigkeit fängt mit Bildung an“ auf die Straßen gegangen. Die Polizei wollte uns den Demozug zunächst untersagen. Erst nach einer einstündigen Diskussion, Drohungen und Schikanen durch die Polizei konnte eine Spontanversammlung angemeldet werden, mit der wir dann laut und entschlossen durch die Duisburger Straßen gezogen sind. Zum Abschluss der Woche sind wir dann im AStA-Keller zu einem Klima-Kneipenabend zusammenkommen, auf dem wir nochmal großartige Gespräche führen und Kontakte knüpfen konnten.

Wir wollten mit dem Programm aufzeigen, was die Ursache der Klimakrise ist und dass wir nicht isoliert für Klimaschutz kämpfen können, sondern das System als Ganzes angreifen und bekämpfen müssen. Vor allem aber wollen wir die Uni als politischen Ort zurückgewinnen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Uni wieder ein Ort wird, an dem Veränderungen passiert und Studieren mehr heißt als nur Scheinerwerb. Wir müssen als Studierende auf die Straße, um dort für Klimagerechtigkeit zu protestieren. Diese Gedanken haben wir versucht zu vermitteln.

Habt ihr Pläne, wie Klimagerechtigkeit direkt an der Uni ansetzen kann?

Wie schon gesagt, wir müssen die Uni zu einem politischen Ort machen, an dem Leute sich treffen und sich im besten Fall organisieren. Eine weitere Aufgabe ist es, Verbindungen aufzuzeigen zwischen sozialer und ökologischer Ungerechtigkeit.
Wenn der ÖPNV so teuer wird, dass ich aufs Auto umsteigen muss und auch die Spritpreise immer weiter steigen, dann ist das nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch sozial ungerecht. Oder wenn Studierende sich nach den Semesterbeiträgen die Miete nicht mehr leisten können. Ein anderes Beispiel ist Trinkwasser. Am Campus in Duisburg gibt es nur einen Trinkwasserspender und der ist auf dem barrierefreien WC. Unsere Forderung muss dann nicht nur lauten „Mehr Trinkwasserspender am Campus“, sondern „Trinkwasser kostenlos und für alle“.

All das sind Themen, die wir aufgreifen müssen. Ich denke, mit der Public Climate School haben wir es geschafft, dass Studierende auf uns aufmerksam geworden sind, und da können wir anknüpfen.

Was macht „Students For Future“ ansonsten in Duisburg? Wie geht es jetzt nach der Public Climate School weiter?

Wir hoffen natürlich, dass jetzt ein paar neue Leute zu unseren Plenas kommen und Interesse haben bei uns mitzuarbeiten. Wir müssen Präsenz zeigen an der Uni und mit Leuten ins Gespräch kommen. Deswegen freuen wir uns auch, wenn Leute bei unseren Picknicks vorbei schauen, die wir jetzt in den Sommermonaten auf der Campuswiese organisieren und wir einfach in ganz ungezwungener Atmosphäre miteinander quatschen.

Ansonsten beteiligen wir uns an Aktionen auf der Straße, wenn in Duisburg oder Umgebung Demonstrationen und ähnliches sind. In der nächsten Zeit wird der anstehende G7-Gipfel sicherlich ein Thema in unserer Arbeit sein, aber auch Lützerath, also das Dorf, das für die Profite von RWE weichen soll.

Parallel dazu haben wir unseren Podcast, den Kipppunkt-Podcast, bei dem wir regelmäßig Folgen hochladen. Wir freuen uns natürlich immer, wenn neue Leute Interesse haben und eigene Ideen einbringen!


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.