Am 02. und am 03. September organisierte das OAT Magdeburg und Umgebung zwei größere Demonstrationen durch Magdeburg als Teil ihrer Kampagne gegen die „Neue Stärke Partei“. Bei dieser handelt es sich um eine faschistische Partei und Abspaltung der Neonazi-Organisation „3. Weg“. Perspektive Online führte mit dem OAT Magdeburg und Umgebung ein Interview.

Das OAT hat in den vergangenen Monaten eine Kampagne mit dem Namen “Fight NSP” organisiert. Erzählt bitte davon, was der Anlass für diese Kampagne war und welche Aktionen sie beinhaltet hat.

Der Anlass für die „Fight NSP“ Kampagne war es, Proteste gegen den Aufmarsch der „Neue Stärke Partei“ am 03.09. in Magdeburg zu organisieren und eine breite Aufklärungsarbeit über die Partei und ihre „Kader“ zu leisten.

Könnt ihr uns bitte mehr über die NSP erzählen, beziehungsweise warum ihr die Notwendigkeit seht, euch spezifisch gegen diese faschistische Kleinstpartei zu organisieren?

Wir als Antifaschist:innen haben es uns zur Aufgabe gemacht, faschistische Strukturen zu bekämpfen. Wir sehen, dass die „Neue Stärke Partei“ aktuell neben der AfD die einzige öffentlich wirksame rechte Struktur in Magdeburg ist und dadurch teils auch an Zuwachs gewinnt. Darin sehen wir eine Gefahr, die bekämpft werden muss. In Zeiten eines starken Rechtsrucks und zunehmender staatlicher Repression von Antifaschist:innen ist es daher umso wichtiger, weiter zu kämpfen und eine klassenkämpferische antifaschistische Praxis auf die Straße zu bringen.

Wie sieht die weitere Perspektive eurer Arbeit nach den Aktionen Anfang September aus?

Für uns stehen nun umfassende Auswertungen an. Sowohl die Vorabenddemo als auch der Tag des Naziaufmarsches werfen Fragen und Probleme auf, mit denen wir nun umgehen müssen. Die antifaschistische Beteiligung an diesem Wochenende hätte durchaus stärker ausfallen können, allerdings boykottierten bestimmte Gruppen wahrscheinlich bewusst unsere Veranstaltung, was für uns eine klare Absage gegenüber des antifaschistischen Kampfes ist. Unsere Arbeit ist es nun, Schlüsse aus der Kampagne zu ziehen und die Genoss:innen in Düsseldorf bei ihren Protesten rund um den 10. Dezember, an dem die letzte Demonstration der Neonazi-„Kampfkultur“-Kampagne stattfinden soll, zu unterstützen.

Aktuell entsteht eine Massenbewegung gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf dem Rücken der Arbeiter:innenklasse in der BRD. Habt ihr vor, eure Kampagne mit dieser Bewegung zu verbinden bzw. wie wollt ihr diese Verbindung herstellen?

Die „Fight NSP“-Kampagne nimmt eine organisierte faschistische Struktur ins Visier. Die Massenbewegungen weisen hingegen einen gänzlich anderen Charakter auf, weshalb wir diese losgelöst von der Kampagne mit antifaschistischen Aktionsformen begleiten. Dabei ist es wichtig, abseits von rechten Strömungen breite Bündnisse zu schließen, aber dennoch stets die klassenkämpferische, revolutionäre Perspektive zu eröffnen und diesbezüglich die Diskussion zu prägen.

Gibt es Erfahrungen aus eurer klassenkämpferischen und antifaschistischen Arbeit in Magdeburg und Umgebung, die ihr an unsere Leser:innen weitergeben wollt?

Wir erleben seit einigen Jahren einen massiven Rechtsruck in der Gesellschaft, rechte Positionen und Fremdenfeindlichkeit wurden unter anderem durch den Aufstieg der AfD wieder salonfähig gemacht und auch andere rechte Akteure gewinnen immer weiter an Zuspruch. Gegen diese Zustände müssen wir uns als Antifaschist:innen organisieren.

Dabei muss es unsere Aufgabe sein, Antifaschismus nicht nur aus der linken Szene heraus zu organisieren, sondern ihn für unsere Klasse niedrigschwellig und offen zugänglich machen. Dies schaffen wir nur, wenn wir antifaschistische und klassenkämpferische Positionen verbinden und erkennen, dass die soziale Ungleichheit im Kapitalismus der Nährboden für den Faschismus und den Aufstieg der Rechten ist.

Daher müssen wir uns sowohl dem Faschismus als auch dem Kapitalismus mit einer konsequenten und entschlossenen antifaschistischen Praxis entgegenstellen. Oft ist dieser Kampf anstrengend und kleinteilig, grade in Zeiten, wo die menschenverachtenden Ideologien wieder in der breiten Masse angekommen sind.

Dass dieser Kampf aber kein erfolgloser ist, sondern Antifaschismus immer wieder seine Wirkung zeigt, sahen wir in der Vergangenheit, beispielsweise an den Erfolgen der Antifaschist:innen in Burg. Burg ist eine Kleinstadt, die ca. 30 km von Magdeburg entfernt ist, in der ostdeutschen Provinz gab es viele Jahre ein massives Naziproblem, Übergriffe auf migrantische Menschen und Linke waren keine Seltenheit. In einer jahrelangen Kontinuität bauten Antifaschist:innen einen konsequenten, antifaschistischen Selbstschutz auf.

So gelang es mit Entschlossenheit und einer gewissen Militanz sämtliche Nazistrukturen zu zerschlagen und die Rechten aus dem Stadtbild zu verdrängen. Bis heute konnte keine neue Nazistruktur oder Organisation in der Stadt Fuß fassen, alle Versuche wurden im Keim erstickt. Genau an diese Erfolge gilt es für uns anzuknöpfen, aus ihnen zu lernen und selber solch eine Praxis aufzubauen.


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