Letzten Dezember berichteten Meiden über einen Professor der Universität Köln, der seine Mitarbeiterinnen und andere Universitätsangestellte mehrfach belästigt und bedrängt haben soll. Nun haben hat eine gemeinsame Initiative aus Studierenden und Universitätsangestellten einen Protest organisiert und seine Entlassung gefordert.

Im Dezember erschien im Spiegel ein Artikel über einen Kölner Universitätsprofessor. Seine Lehrstuhlmitarbeiterinnen und andere Frauen, die an der Uni arbeiten, werfen ihm sexualisierte Belästigung, Machtmissbrauch, Erniedrigung, Wutausbrüche und permanente Grenzüberschreitungen vor.

Am Mittwoch, den 11. Januar, haben sich deshalb Studierenden, Universitätsangestellte und Unterstützer:innen auf dem Albertus-Magnus-Platz in Köln zum sogenannten „Null-Toleranz-Protest“ versammelt und die Entlassung des Professors so wie weitere Maßnahmen gefordert. Zur Versammlung riefen einige der Betroffenen, so wie weitere Studierenden, wissenschaftliche Mitarbeitende, die Initiativen „metooscience“ und „0 tolerance unicologne“ so wie der AStA der Universität zu Köln auf.

Über die Entlassung des Professors hinaus fordert das Bündnis:

  • Verbesserung der Systeme zur Verfolgung von Machtmissbrauchs-, Belästigungs-, Erniedrigungs- und Diskriminierungsfällen.
  • Mehr Transparenz und schnellere Abläufe bei der Aufklärung von Machtmissbrauchs-, Belästigungs-, Erniedrigungs- und Diskriminierungsfällen.
  • Klarheit und Aufklärung darüber, was in Fällen von Machtmissbrauch, Belästigung, Erniedrigung, und Diskriminierung an der UzK geschieht: Wer sind die Ansprechpartnerinnen, welche Sanktionsmöglichkeiten gibt es?
  • Dass auch die Uni Köln sich an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz hält und Missachtung ahndet

Die Vorwürfe, die durch das Spiegelinterview ans Licht der Öffentlichkeit gerückt wurden, bestehen in der Tat schon sehr lange. Vor über drei Jahren ist die erste Beschwerde einer Ex-Doktorandin des Professors beim Rektor eingegangen, daraufhin meldeten sich immer mehr Wissenschaftlerinnen zu Wort. Mittlerweile sollen rund 12 Frauen schriftliche Berichte bei der Hochschule eingereicht haben.

Darin erheben die aktuellen und ehemaligen Universitätsangstellten schwere Vorwürfe gegen den Professor: sexualisierte Belästigung, Machtmissbrauch, Erniedrigung, Wutausbrüche und permanente Grenzüberschreitungen. Die Doktorandin berichtet unter anderem von privaten „Modeschauen“, dabei soll sich der Professor, ihr damaliger Chef bis auf die Unterwäsche vor ihr ausgezogen haben.

In den Berichten beschreiben die Frauen ihn als „einen Professor, der sich nicht im Griff hat“. Jemanden der „allgegenwärtige sexuelle Andeutungen“ und durch „rassistische Äußerungen“ auffällt. Er sei häufig betrunken, werde übergriffig. Eine Wissenschaftlerin soll er angefasst, eine andere auf die Wange geküsst haben. Im Allgemeinen behandle er seine Doktorandinnen wie Dienerinnen und schaffe eine Atmosphäre der „Paranoia und Angst“.

Nach den Vorwürfen hat die Universität ein Disziplinarverfahren eingeleitet, Informationen zum Stand liegen nicht vor. “Bis heute wissen wir nicht, ob und wie das Verfahren abgeschlossen wurde und ob es Konsequenzen gab”, äußert sich eine der betroffenen Wissenschaftlerinnen gegenüber dem Spiegel.

Der Anwalt des Professors weist weiterhin alle Anschuldigungen zurück, die Universität zu Köln will sich gegenüber dem Spiegel nicht äußern, der Fall sei noch nicht endgültig abgeschlossen.

Auf einer Pressekonferenz betonte der Rektor Freimuth, drei bis fünf Jahre seien eine übliche Dauer für ein Diziplinarverfahren. Die Universität zu Köln habe seit 2016 sechs davon geführt, in zwei Fällen seinen die beschuldigten Personen aus dem Beamtenverhältnis entlassen worden. In seinen Augen habe die Universität kein „ #MeToo-Problem“.

Der Professor arbeitet nach wie vor an der Universität, forscht, lehrt und publiziert. An seinem Lehrstuhl sind derzeit zwei Doktorandinnen und eine Studentin als Hilfskraft beschäftigt. Im Wintersemester hat er die Einführungswoche für die Erstsemester in seinem Fach organisiert.


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