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Sonntag, Juli 14, 2024
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    Weg frei für die Rehabilitierung des Faschismus

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    Die ZEIT wünscht sich den „totalen Sieg“ und ein Professor vergleicht Putin mit Hitler und Stalin: Wie deutsche Intellektuelle zur Rehabilitierung des Faschismus beitragen und was das mit fragwürdigen Vergleichen zu tun hat. – Ein Kommentar von Enver Liria.

    Bald jährt sich der russische Einmarsch in die Ukraine und passend dazu werden in Deutschland wieder zahlreiche Geschütze in Stellung gebracht. Damit sind nicht die aktuellen Waffenlieferungen gemeint, die von Woche zu Woche immer neue Ausmaße annehmen – waren es anfangs Helme und Schutzwesten, so zeigt man seine Angriffslust heute hemmungsloser und schickt Raketenwerfer und Panzer. Doch die Schlacht um die Ukraine muss auch auf ideologischer Ebene geführt und gewonnen werden.

    Die Aggressivität, der imperiale Anspruch „Deutschland soll wieder führen!“ beherrscht seit Monaten die Titelseiten der Monopol-Presse. Gerade von den gut belesenen bürgerlichen Ideolog:innen wird gezündelt, was das Zeug hält.

    Dabei zielt ihr Feuer nicht nur auf die imperialistische Bande aus Moskau, sondern vor allem auf die Unterdrückten hierzulande. Ihnen muss eingehämmert werden, dass der Sozialismus niemals die friedliche Option sein kann: Frieden ist nur durch die Unterwerfung des Feindes möglich, Atomkriegsgefahr inklusive.

    Ein gutes Beispiel für diese bürgerliche Hetze erschien kürzlich in Zeit Online unter dem Titel „Ich wünsche mir einen totalen Sieg“. Der Artikel erschien auf den Tag genau am 80. Jahrestag der „Sportpalastrede“ von Joseph Goebbels.

    Dessen Propaganda-Rede ist vor allem wegen der Frage nach dem „totalen Krieg“ bekannt geworden, und Goebbels hatte in dieser Rede auch schon von einem „totalen Sieg“ über die damalige sozialistische Sowjetunion, in der sich unter anderem Russland und die Ukraine freiwillig zusammen geschlossen hatten, gesprochen.

    In eine ähnliche Kerbe schlägt auch eine Veröffentlichung im Deutschlandfunk in der Rubrik „Essay und Diskurs“. Dort offenbarte ein verstrahlter Universitätsprofessor für Politikwissenschaft sein Feinbild, getarnt durch allerlei universitäres Gelaber und Geschwätz. Kern seines Essays ist die Gleichsetzung des deutschen Faschismus, der Sowjetunion unter Stalin und des heutigen Putin-Regimes.

    Melnyk geht – die Rehabilitierung des Faschismus bleibt

    Stalin schlimmer als Hitler?

    Für manche war Stalin sogar schlimmer als Hitler. Schaut man sich die Bankiersfamilien und Rentiers, die Großgrundbesitzer:innen, die Industriellen und Antisemit:innen an, die den Hitlerfaschismus systematisch aufbauten und vom sowjetischen Hammer zerschlagen wurden, so kann man eigentlich nicht zu diesem Schluss kommen. Aber der werte Herr Professor meint es nicht so.

    In seinem Essay spricht er davon, dass der „Stalinsche Terror“ mehr Tote zu verantworten habe als das NS-Regime, und hält es nicht einmal für nötig, diese geschichtsrevisionistische Behauptung zu belegen. Gleichzeitig habe Stalin im zweiten Weltkrieg, als sich das faschistische Deutschland und die Sowjetrepubliken an der Front gegenüberstanden, hunderttausende Soldaten “verheizt”.

    Damit soll das Bild eines blutrünstigen Diktators gezeichnet werden, der es einfach liebt, Blut zu vergießen. Der Massenmord des deutschen Faschismus an den Völkern der Sowjetunion, also auch an denen der Ukraine, fällt dabei einfach unter den Tisch. Sollte ein Politikprofessor nicht wissen, worum es in diesem Krieg ging und wer ihn begonnen hatte?

    Bei all dem Kriegsgeschrei, den immer neuen Milliardenforderungen für Rüstung und Krieg holt der Autor zum entscheidenden Schlag aus. Stalin wird nicht nur zu einer Art Satan stilisiert, er ist jetzt sogar schlimmer als Hitler. Wenn man diesen Aufsatz liest, könnte man meinen, der zweite Weltkrieg sei von Stalin persönlich begonnen worden.

    Was früher vielleicht ein Tabubruch gewesen wäre, die Umkehrung eines antifaschistischen Minimalkonsenses, ist heute ein Essay, der in einer linksliberalen Zeitung veröffentlicht wird. Zum aggressiven Auftreten nach außen gehört aber erwartungsgemäß auch ein härteres Vorgehen gegen die Feinde in den eigenen Reihen: „Zum Teil sind es desorientierte Querdenker, die verbreitete Krisengefühle in Wut verwandeln, zum Teil ausdrückliche Befürworter der Putinschen Geopolitik gegen die liberalen Demokratien des Westens“.

    Damit soll deutlich gemacht werden, dass es nur zwei Lager gebe, nämlich hier die Unterstützung Russlands oder dort der NATO. Ein härteres Durchgreifen des Staats inklusive der Einschränkung von Freiheitsrechten, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit etc. steht damit außer Frage.

    des orofessors Hetzschrift endet mit einer Kampfansage an genau jene Befürworter:innen des „Totalitarismus“. Für Russland sieht er nur den Weg der vollständigen Unterwerfung unter den Westen. Im gleichen Atemzug nennt er Nawalny, der schon oft mit rassistischen und faschistischen Parolen aufgefallen ist, einen progressiven Reformer und Demokraten für das zukünftige Russland.

    Hier wird deutlich, dass Antifaschismus und Frieden nur leere Versprechungen im Kampf um die öffentliche Meinung sind. Letztlich geht es um die Unterwerfung des Feindes und nicht um Frieden.

    Kampf gegen Geschichtsfälschung und Rehabilitierung des Faschismus!

    Nur der Sozialismus bringt den Frieden

    Was eint sie alle: Die Putins und Scholzes dieser Welt, die Hitlerfaschist:innen und Nawalnys, die Baerbocks und Bushs? Sie alle können den Sozialismus nicht leiden. Ja sie hassen ihn wie die Pest und sie bekämpfen ihn, wo sie nur können. Sie alle eint der Hass auf die Gesellschaften, in denen mit der Kriegstreiberei und nationaler Feindschaft Schluss gemacht wurde.

    Putins Erklärungen, die Kommunist:innen seien Schuld an seinem Krieg, weil sie die ukrainische Nation als solche anerkannt haben und ihr in der Sowjetunion das Recht auf nationale Selbstbestimmung zugestanden wurde, ist da nur die andere Seite der gleichen Medaille.

    Die Ideolog:innen Putins und der NATO stehen in dieser Frage also auf der gleichen Seite der Barrikade, denn sie wissen, dass der Sozialismus das Ende ihrer Kriegsfantasien und Weltherrschaftsträume bedeutet. Um ihn zu bekämpfen, ist ihnen jedes Mittel recht, auch die Rehabilitierung faschistischer Massenmörder und ihrer Parolen. Das ist nur einer von tausend Gründen, sich auf keine der beiden Seiten zu schlagen.

    • Schreibt seit 2019 für Perspektive-Online. Lebt im Bergischen Land und arbeitet als Informatiker. Seine Kommentare handeln oft von korrupten Eliten und dem deutschen Imperialismus. Lieblingszitat: „Wenn der Mensch von den Umständen gebildet wird, so muss man die Umstände menschlich bilden. “ (F. Engels)

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