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Mittwoch, April 17, 2024
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    Töten von Antifaschist:innen geplant? – Vier Eisenacher Neonazis bald vor Gericht

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    Anfang dieser Woche klagte der Generalbundesanwalt vier mutmaßliche Mitglieder der faschistischen Kampfsportgruppe „Knockout 51“ aus Eisenach an. Unter dem Deckmantel vorgeblicher “Selbstverteidigung” erlernten sie tödlich wirkende Gewalt, die vor allem Personen des linkspolitischen Spektrums gelten sollte. Viele weitere Neonazis sind in Eisenach weiterhin auf freiem Fuß.

    Die vier Angeklagten wurden bereits im April 2022 im Rahmen einer bundesweiten Razzia durch die Polizei festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Angeklagt wurden sie wegen des Vorwurfe, eine kriminelle und terroristische Vereinigung gegründet oder ihr angehört zu haben. Bei der Gruppe handelt es sich dabei um „Knockout 51“, die sich auf Kampfsport fokussierte und damit auch versuchte, einen sogenannten „Nazi-Kiez“ in Eisenach zu etablieren.

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    Im Februar 2021 verursachten zwei der Angeklagten bei einem jungen Mann Knochenbrüche im Gesicht, indem sie auf ihn einschlugen. Dieser Angriff ist Teil einer langen Liste von gewaltsamen Übergriffen, die im Gericht vorgezeigt werden sollen.

    Die Stadt Eisenach in Westthüringen ist schon seit längerem ein Zentrum von militanten Faschist:innen: So bestanden bereits seit der Wende Bestrebungen, „national befreite Zonen“ in den Vierteln zu errichten. Insbesondere mit dem Einzug lokaler NPD-Strukturen ab 1997 erfuhr die rechte Szene einen regelrechten Aufschwung. Und auch heute sind die vier Angeklagten nicht nur alleinstehende Einzeltäter, sondern weiterhin Teil eines tief verwurzelten und verzweigten Neonazi-Netzwerks in der Region.

    So wird „Knockout 51“ oft als direkter Nachfolger der Gruppe „Nationaler Aufbau Eisenach“ gesehen. Leon R. war jeweils Teil dieser Gruppen und ist jetzt auch als mutmaßlicher Mitgründer von „Knockout 51“ angeklagt. In seiner aktiven Zeit unternahm er mit weiteren Nazi-Kader:innen auch Reisen in die Ukraine und nach Polen, wo sie an faschistischen Aufmärschen und Festivals teilnahmen. Gewaltsame Übergriffe auf lokale Antifaschist:innen, auch bei helllichtem Tage, gehörten dabei zum Alltag.

    Darüber hinaus hatte ebendieser Leon R. auch gute Verbindungen zur US-amerikanischen „Atomwaffen Division“, die für ihren Terror vor allem auf Sprengstoff-Attentate und Schießereien setzen. Beleg seiner radikalen Überzeugung ist auch der Fakt, dass ihm die NPD als legale Partei zu seicht ist und sie voller „Untermenschen“ sei.

    Laut Felix Steiner, Mitglied in der “Mobilen Beratung Thüringen” (Mobit), haben die Bundesbehörden erst 2019 mit ihren Ermittlungen begonnen, eine höchst aktive faschistische Jugendszene habe es in Eisenach jedoch mindestens seit 2013 gegeben. So oder so ist er sich jedoch sicher, dass der Teil der Gruppe, der nicht verhaftet wurde, weiterhin aktiv bleiben werde – wenn auch unter neuem Namen.

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