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Samstag, Juli 20, 2024
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    Gemeinsamer Streik: Schauspieler:innen und Drehbuchautor:innen legen Hollywood lahm

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    Seit dem 02. Mai streiken die Drehbuchautor:innen in Hollywood. Nun haben sich auch die Schauspieler:innen angeschlossen – denn in Hollywood zu arbeiten bedeutet nicht zwangsläufig, auch viel Geld zu verdienen.

    Vor einer Woche stimmten die Gewerkschaftsführenden der Filmschauspieler:innen der USA (Screen Actors Guild-American Federation of Television and Radio Artists, kurz SAG-AFTRA) dafür ab, der Gewerkschaft der Drehbuchautor:innen (Writers Guild of America, kurz WGA) in ihrem seit Monaten andauerndem Streik beizuwohnen. Das ist das erste Mal seit über 60 Jahren, dass in Hollywood Schauspielende und Autor:innen gemeinsam streiken.

    Weniger Lohn seit dem Boom der Streaming-Dienste

    Grund hierfür ist vor allem das Sinken der Löhne, seitdem ein Großteil von Filmen und Serien auf Streaming-Diensten angeboten wird. Die aktuelle Inflation trage zusätzlich dazu bei, dass die für Hintergrunddarsteller:innen und viele Autor:innen bereits geringe Vergütung kaum zum Leben reicht, so die Gewerkschaft SAG-AFTRA.

    Denn in Hollywood gilt: Nur wer berühmt ist, macht Geld. Dabei sind viele der Filmschaffenden im Hintergrund maßgeblich verantwortlich dafür, dass ein Film überhaupt erst zustande kommt. Viele Filmproduktionen mussten deshalb bereits in den ersten Wochen des Drehbuchautor:innenstreiks unterbrochen werden.

    Für einen entstehenden Film oder eine Serie wird Filmschaffenden ein fester Betrag bezahlt. Wird dieser Film oder diese Serie in einer Wiederholung ausgestrahlt, erhalten die an dem Film Beteiligten Arbeiter:innen sogenannte “Residuals” (dt. Restmengen). Zu Zeiten des Kabelfernsehens waren diese Residuals orientiert an der Anzahl der Zuschauer:innen.

    Dies ist bei Streaming-Diensten wie Netflix oder amazon prime nicht der Fall. Eine Serie kann auf einem Streaming-Dienst einen Riesenerfolg haben, ohne dass die Autor:innen und Schauspielenden an diesem Erfolg beteiligt werden. Dieser Zeitenwandel hat dazu geführt, dass Fimschaffende sich nicht mehr darauf verlassen können, dass sie in den Monaten zwischen ihren Projekten ihre laufenden Kosten mit Residuals decken können. Ihre Lebensbedingungen haben sich dadurch massiv verschlechtert.

    Schauspieler:innen und KI

    Eine weitere Sorge der Schauspieler*innen ist, dass durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Filmen der Lohn zusätzlich gefährdet wird. Duncan Crabtree-Ireland von der Gewerkschaft SAG-AFTRA erklärt: “Die Körper von Hintergrunddarstellern sollen gescannt, für einen Tag Arbeit bezahlt werden und die Studios haben die Rechte an ihrem Äußeren für alle Ewigkeit.” Damit verdienen die Darsteller:innen nur ein einziges Mal – die Hollywood-Studios können aber mehrfach davon profitieren.

    Der letzte Streik der Autor:innen in Hollywood verursachte einen erheblichen Anstieg des Reality-TVs, für das Drehbuch-Autor:innen kaum gebraucht wurden. Dies führte unter anderem dazu, dass Donald Trump seinen Berühmtheitsgrad in den USA durch die Reality-TV-Serie “The Celebrity Apprentice” ab Januar 2008 um ein Vielfaches steigerte. Dass dieses Mal die Schauspieler:innen gemeinsam mit Drehbuchautor:innen streiken, erhöht deshalb den Druck auf Hollywood.

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