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Samstag, Juli 20, 2024
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    Krach bei “Spar und Bauverein”: Die Bewohner:innen wehren sich

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    In Dortmund kam es gestern zu einem Protest vor der Wohnungsgenossenschaft „Spar- und Bauverein“. Dort versammelten sich rund 30 Bewohner:innen des Althoffblocks, um gegen schlechte Bedingungen zu protestieren und Forderungen an den Vorstand zu überreichen. Diese hatten sie zuvor in einer selbstorganisierten Versammlung beschlossen. Spar- und Bauverein zeigt sich verärgert.

    Am Donnerstagnachmittag gegen 15 Uhr versammelten sich etwas über 30 Bewohner:innen der Wohnungsgenossenschaft Spar- und Bauverein vor dem Edeka an der Dortmunder Sonnenstraße. Von dort aus liefen sie zusammen bis zur Hauptverwaltung des Unternehmens, um dort gemeinsam formulierte Forderungen an den Vorstand zu übergeben.

    Die Stimmung ist solidarisch, vielleicht sogar fröhlich: Viele der Bewohner:innen äußern, dass sie froh seien, dass endlich etwas passiere und sich freuten, nicht mehr allein mit ihren Problemen zu sein. Lediglich gegenüber dem Wohnungsunternehmen äußern sich viele verärgert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Meisten scheinen sich Sorgen zu machen, dass sie die Wohnung bald nicht mehr bezahlen können. Nach der jüngsten Modernisierung hatten sich die Mietkosten für den Block bereits um rund 30% erhöht. Nun steht eine Umrüstung auf Fernwärme und ein Umbau des Innenhofs bevor – für die Bewohner:innen sind deshalb viele Fragen offen, auf die sie Antworten fordern.

    Hintergründe der Proteste

    Zur Infoveranstaltung im April 2023 sei nur jeweils eine Person pro Haus zugelassen gewesen. Auf dieser sei jedoch versprochen wurden, dass die Umrüstung nicht auf die Miete umgelegt werde. Im Protokoll der Veranstaltung war dazu später allerdings nichts mehr zu finden und auf weitere Nachfragen gab es laut der Bewohner:innen keine Reaktion. Hinzu kommt, dass es keine Klarheit darüber gibt, wie viel das Ganze die Bewohner:innen kosten wird und wie viel Zeit für eine Übergangslösung benötigt wird – momentan ist der Block nämlich noch nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen, und es ist unklar, wann das  überhaupt möglich sein wird. Für Viele spielt auch der Umweltaspekt eine Rolle, denn die angedachte Fernwärme käme aus einer Müllverbrennungsanlage.

    Zu den Fragen der Fernwärme kam noch die andere Problematik hinzu: So ist ein weiterer Umbau des Innenhofs geplant, den viele Bewohner:innen für unnötig halten. Abgesehen davon, dass sie auch hier Sorge haben, dass die Kosten auf sie umgelegt werden und sie weitere Monate Baulärm im Innenhof ertragen müssen, sind viele verunsichert, weil sie bislang den Innenhof – teilweise über Jahrzehnte hinweg – selbst mitgestaltet haben. Nun wissen sie nicht, was von ihren Vorstellungen übrig bleiben wird, da sie nicht beteiligt würden.

    Im Sommer wurde es dann einigen der Bewohner:innen zu viel: sie organisierten eine erste Versammlung im Innenhof, um mit ihren anderen Nachbar:innen in Kontakt zu kommen. Daran nahmen trotz schlechten Wetters 40 Personen teil, viele aus dem Block. Hinzu kamen noch Menschen, die in nahe gelegenen Blöcken wohnten und das “Solidaritätsnetzwerk Essen”, das zur Unterstützung eingeladen wurde. Die Bewohner:innen beschlossen dort, sich auf drei Forderungen zu einigen und diese gemeinsam in Schriftform zu übergeben.

    In dem Forderungskatalog erwarten sie, dass sie 1. eine schriftliche Versicherung bekommen, dass sie die Modernisierungskosten für die Fernwärme nicht tragen müssen, dass sie 2. mehr Informationen über die angedachte Fernwärme bekommen und mitbestimmen dürfen. Außerdem 3., dass sie ein Mitbestimmungsrecht für den Innenhof und den Erhalt der quartier-prägenden Bepflanzung erhalten.

    Spar- und Bauverein sichtlich verärgert

    Vor der Übergabe der Forderungen luden die Bewohner:innen die Presse ein und informierten auch das Unternehmen über ihren anstehenden Besuch. Das Unternehmen reagierte prompt, indem es versuchte, die Bewohner:innen bereits zu einem “Vorgespräch” einzuladen, außerdem schickte man drei Mitarbeiter:innen am Tag vor dem Protest in die Wohnsiedlungen, um die Bewohner:innen zu befragen.

    Der Spar- und Bauverein-Vorstandsvorsitzende Franz-Bernd Große-Wilde bezeichnete dies als ein Entgegenkommen, viele Bewohner:innen berichteten hingegen, dass sie sich eher „ausspioniert“ fühlten. Kurz vor dem Gespräch selbst informierte Spar- und Bauverein einen Bewohner des Blocks, der vorher bereits mit ihnen kommuniziert hatte, darüber, dass sie gerne diskutieren würden – allerdings nur mit sechs bis zehn Teilnehmer:innen, denn für mehr sei kein Platz im Büro. Dafür würde man auch Kaffee und Kuchen stellen.

    Die Bewohner:innen lehnten das Angebot zum Vorgespräch ab, sowie auch noch einmal das Angebot, vor Ort mit nur sechs bis zehn Teilnehmer:innen zu diskutieren, da sie sich einfach alle an der Übergabe beteiligen wollten. Sie forderten deshalb Herrn Große-Wilde auf, doch bitte nach draußen zu kommen, wo genug Platz sei. Der Pressesprecher von Spar- und Bauverein versuchte das zunächst abzuwimmeln, Herr Große-Wilde sei nicht darauf vorbereitet. Nach einigem Hin und Her kam es schließlich zu einer Forderungsübergabe.

    Während der Übergabe heizte sich die Stimmung sichtlich auf: Als der Vorsitzende versicherte, dass man Modernisierungen immer nur im Sinne der Genossenschaftsmitglieder durchführen würde und viele andere Blöcke zufrieden seien, kam es von großen Teilen der Anwesenden zu Gelächter sowie zu einer kurzen Auseinandersetzung mit einem der Bewohner aus einem solchen anderen Block: seinem Eindruck nach seien die Hausnachbarn seines Blocks ebenso unzufrieden.

    Die Bewohner:Innen beendeten schließlich die Übergabe Ihres unterzeichneten Papiers mit der Forderung, innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Antwort zu erhalten.

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