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Mittwoch, Mai 22, 2024
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    Protest gegen Kreißsaalschließung und Krakenhaussterben in Grimma

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    In den Abendstunden des 19. Septembers demonstrierten im sächsischen Grimma hunderte Menschen unter dem Motto „Stoppt das Krankenhaussterben, rettet die Geburtshilfe in Grimma“ und setzten so ein kämpferisches Zeichen gegen die Schließung des Kreißsaals, der Geburtenstation und der Gynäkologie, die die Krankenhausleitung der Muldentalkliniken GmbH wenige Wochen zuvor bekannt gegeben hatte.

    Schon zu Beginn des Jahres war eine vorübergehende Schließung der Geburtshilfe angekündigt worden, was  zu massiven Verunsicherungen bei den Beschäftigten führte, berichtet Anja Teubert, eine der Hebammen aus dem Kreißsaal.

    Der erste Post des Hebammenteams „Wendrich&Partnerinnen“ erschien am 3. März diesen Jahres, die Hebammen gaben hier sichtlich erleichtert bekannt, dass es bei einer vorübergehenden Schließung bleiben würde.

    Nach dem ersten Gespräch mit der neuen Geschäftsführerin Julia Alexandra Schütte dann der Schock: Der Kreißsaal soll endgültig schließen, die Geburtsstation sei schlichtweg zu teuer für die „finanziell prekäre Lage der Klinik“, heißt es. Die zuvor angedeuteten Angebote, sieht Anja Teubert, Sprecherin der Hebammenproteste, im Nachhinein als Hinhaltetaktik.

    Anfang September erhielten alle Hebammen dann endgültig ihre Kündigung. Ab dem 1. April 2024 sollen nun in Grimmaer Kreißsaal keine Babys mehr geboren werden. Und das, obwohl die Geburtenzahl in Grimma um 66% gesteigert werden konnten, seit die Hebammen dort die Geburtsstation leiten.

    Doch die Schließung wird nicht widerspruchslos hingenommen: so hat eine Mutter, die ihr Kind in eben diesem Kreißsaal zur Welt gebracht hat, eine Online-Petition ins Leben gerufen und bereits über  48.000 Unterschriften gegen die Schließung des Kreißsaals gesammelt.

    Auch die im Kreißsaal arbeitenden Hebammen selbst haben sich zusammengeschlossen und am 19. September erstmalig einen öffentlichen Protest in der Grimmaer Innenstadt organisiert:

    An diesem Tag wimmelt der Grimmaer Marktplatz von Kindern, Eltern und Hebammen. Verschiedenste Menschen sind hier zusammengekommen, um lautstark ihren Protest kundzutun – mit Pfeifen, Töpfen und vielen mitgebrachten selbstgemalten Schildern. Verbunden sind alle Anwesenden durch die Solidarität mit den Hebammen und dem Willen, an ihrer Seite für den Erhalt der Geburtsstation kämpfen.

    „Wir möchten mit dieser Aktion auf unsere Situation aufmerksam machen“, so Mandy Wendrich, eine weitere Sprecherin der Grimmaer Beleg-Hebammen. Doch sie betont auch, dass es bei den Protesten nicht nur um ihre persönliche Lage gehe, sondern die Auswirkungen der Entscheidung der Klinikleitung ein weitaus größeres Ausmaß haben. Es gehe allgemein darum, die medizinische Versorgung jenseits der großen Zentren gewährleisten zu können: „Denn kurze Wege sind wichtig – egal ob jemand eine Gallenkolik hat oder ein Kind bekommt.“

    Auf der Veranstaltung werden noch viele weitere kämpferische Reden der betroffenen Hebammen , auch vom gesamt-sächsischen Hebammen-Verband gehalten. Sie prangern an, dass hier  wirtschaftliche Interessen über die Interessen von Schwangeren und Arbeiterinnen gestellt werden.

    Anschließend werden dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Muldentalklinik, Henry Graichender, der zugleich für die CDU im Landrat sitzt, sowie Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) 48.000 Unterschriften aus der genannten Online-Petition überreicht. Graichender will jedoch selbst für die Schließung nicht verantwortlich sein, sondern sieht die Verantwortung bei der Bundespolitik.

    Nach der lautstarken Demonstration durch die Innenstadt enden die Proteste vor den Türen der Muldentalklinik. Sich solidarisierende Kolleg:innen stehen davor und winken. Kerzen werden symbolisch angezündet, als Trauerzeichen des Protests dagegen, dass die Geburtenstation endgültig weichen soll. Seit dem Demonstrationszug in Grimma sind dort auch Schilder gegen die Kreißsaalschließung als dauerhafter Protest angebracht.

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