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Sonntag, März 3, 2024
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    Frankfurt: 70 Fußballfans nach Polizei-Großeinsatz verletzt

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    Am Samstag kam es in Frankfurt beim Fußballspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart zu massiver Polizeigewalt gegen Fans der Heimmannschaft.

    Am vergangenen Samstagabend trafen Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart in der Fußballbundesliga aufeinander. Obwohl dieses Duell zuvor nicht als Risikospiel eingestuft worden war, kam es dennoch zu einem großen Polizeiaufgebot.

    Sogar Verstärkung aus anderen Bundesländern war angereist. Deshalb blieben viele Fans dem Beginn fern und stießen erst später dazu. Bereits vor Beginn und auch während der Partie gab es massive Streitigkeiten zwischen Polizeibeamt:innen, die unter einem neuen Einsatzleiter agierten, und Besucher:innen.

    Mehrere Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei in den vergangenen Wochen

    Die Vorfälle beim Fußballspiel vom 25. November schlugen in den Medien große Wellen, doch würden sie sich laut dem Rechtshilfeverein Solidarietà in eine Vielzahl von ähnlichen Ereignissen einreihen. Auch bei Spielen in Hamburg, Bochum sowie in Stuttgart war es zuvor zu Ausschreitungen gekommen. Beim Spiel zwischen dem FC Sankt Pauli und Hannover 96 am 10. November wurde der Streit zwischen den Fans und dem Einsatz der Polizei von Pfefferspray begleitet, das auch unbeteiligte Fans abbekommen haben sollen.

    Laut einem Polizeibeamten, der am Tag selbst im Einsatz war, habe die Polizei kurz vor dem Zücken der Schusswaffen gestanden, sich dann jedoch dagegen entschieden. Am 11. November wurde beim Spiel zwischen Bochum und dem 1. FC Köln ebenfalls Pfefferspray verwendet und darüber hinaus kam es laut Fans auf Twitter schon am Einlass zu Polizeigewalt und Angriffen gegenüber unbeteiligten Fans. Auch das Spiel in Stuttgart gegen Borussia Dortmund war umringt von vielen Polizist:innen mit Wasserwerfern, mehrere Fans wurden in Polizeigewahrsam genommen.

    Fanhilfe geht von mindestens 70 verletzten Fans aus

    Die Berichterstattung vom Samstag über die Vorkommnisse in Frankfurt war von Anfang an umkämpft. Noch vor dem Spielstart ließ die Polizei Frankfurt über X (vormals Twitter) verlautbaren, dass „rivalisierende Fangruppen zunächst die Eskalation untereinander“ gesucht hätten. In einer gemeinsamen Stellungnahme von Ultra-Gruppierungen des VfB Stuttgart erklärten diese hingegen, dass sie während der gesamten Zeit keine Auseinandersetzungen zwischen Fans des VfB und der SGE mitbekommen hätten.

    Fans aus Frankfurt taten es ihnen gleich. Die Fanhilfe von Eintracht Frankfurt schrieb in einer Erklärung: „Am gesamten Spieltag kam es zu keinerlei Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen“. Am darauf folgenden Sonntag nahm die Polizei die Meldung zurück und gab zu, dass es sich um eine Falschmeldung gehandelt habe, sie sei eine „falsche Bewertung des Geschehens“ gewesen. In der Erklärung der Ultra-Grurppierungen des VfB kritisierten diese außerdem, dass die Polizei gezielt Fehlinformationen auf Social Media-Plattformen nutze, um ihr Vorgehen zu rechtfertigen. So sei es auch beim Spiel gegen den BVB zwei Wochen zuvor zu einer ähnlichen Situation gekommen.

    Laut der Eintracht-Fanhilfe Der 13te Mann sei es zu einer etwa 30-minütigen Konfrontation gekommen, nachdem die Polizei in Zivil einen Eintracht-Anhänger habe festnehmen wollen. Danach sei es zu wahlloser Gewalt gekommen, wobei mindestens 70 Fans verletzt worden seien, davon 7 schwer.

    Polizei ermittelt gegen Fans

    Währenddessen spricht die Polizei in erster Linie von Gewalt, die von den Fans ausgegangen sei. Im Nachgang zu den Ereignissen ließ die Frankfurter Polizei nun eine Sonderkommission, die SoKo2511 einrichten. Diese soll nun anhand von Bild- und Videomaterial, das während des Spiels aufgezeichnet wurde, gewalttätige Fans ausfindig machen. Auch die Befragung von Zeug:innen steht hierfür an und soll bei der Suche helfen.

    Um diese ebenfalls auszuweiten, erstellte die Polizei Hessen ein Hinweisportal, auf dem Zeug:innen Tipps und Hinweise für den Block 40, in dem es zu den Protesten gegen das Verhalten der Polizei kam, geben können. Der Grund für das Erstellen einer Sonderkommission ist laut Polizei der Vorwurf des schweren Landfriedensbruchs und tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte. Solche Hinweisportale eröffnete die Polizei in Vergangenheit bereits häufiger bei Konflikten auf Fußballspielen oder auch Demonstrationen, wie zum Beispiel nach der „Welcome to Hell“-Demonstration anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg 2017.

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