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Montag, April 22, 2024
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    Über 130 Tote bei Anschlag in Moskau: Kampf um Deutungshoheit

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    Am Freitagabend kamen über 130 Menschen bei einem Anschlag in Moskau ums Leben. Westliche Quellen beschuldigen den IS, während von Russland Verbindungen in die Ukraine vermutet werden.

    Am Freitagabend schossen mehrere bewaffnete Männer in der „Crocus City Hall” im Nordwesten Moskaus um sich. Dabei sind nach offiziellen Angaben mittlerweile über 130 Menschen ums Leben gekommen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtet dabei von zwei bis fünf Tätern, die mit automatischen Waffen das Feuer auf Besucher:innen eines Rock-Konzerts eröffnet haben sollen.

    Zudem sollen die Angreifer auch eine Brandbombe oder Granate sowie eine brennbare Flüssigkeit eingesetzt haben, um die Konzerthalle in Brand zu setzen. Das Feuer weitete sich etwa auf ein Drittel des Gebäudes und die gesamte Dach-Konstruktion aus. Eine Fläche von mindestens 13.000 Quadratmetern soll zerstört oder beschädigt sein. Ermittler:innen gehen dabei von einer präzisen Planung der Tat aus.

    Westliche Medien gehen von IS-Terroranschlag aus

    Noch am Freitag hat der „Islamische Staat“ (IS) die Tat auf Telegram für sich reklamiert. Der Anschlag habe sich gegen „tausende Christen“ gerichtet, die Täter hätten sich sicher zurück gezogen. Unabhängig bestätigt ist eine Täterschaft des Islamischen Staats bisher nicht.

    In westlichen Medien wird jedoch überwiegend als wahrscheinlich dargestellt, dass der IS-Ableger „Islamischer Staat Provinz Khorasan“ für die Tat verantwortlich sei. Er ist in Afghanistan ansässig und kämpft dort gegen die Taliban.

    Die US-Botschaft hatte bereits vor zwei Wochen vor dem Besuch von Großveranstaltungen in Moskau mit Verweis auf die Gefahr von Terroranschlägen gewarnt.

    Verbindungen in die Ukraine?

    Nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag in der Crocus City Hall elf Verdächtige festgenommen, vier wegen des Verdachts, die Tat unmittelbar ausgeführt zu haben. In Videos, die auf Kanälen des Messenger-Dienstes Telegram kursieren, sollen auch Bilder und Videos der mutmaßlichen Täter zu sehen sein.

    „Alle Täter des Terroranschlags wurden gefunden und verhaftet“, so der russische Präsident Wladimir Putin in einer Rede zu den Ereignissen in der Crocus City Hall. Nach Angaben Putins seien diese auf dem Weg in die Ukraine gewesen, wo man ein Zeitfenster für ihren Grenzübertritt vorbereitet haben soll.

    Diese Verbindung wird auch in der russischen Medienlandschaft hergestellt. Untermauert wird sie unter anderem von Videos mutmaßlicher Täter, in denen sie angeben, sie hätten in die Ukraine flüchten wollen.

    Dem russischen Nachrichtenportal Sputnik zufolge sollen die Täter einander kaum gekannt und für Geld gehandelt haben. Einer von ihnen soll angegeben haben, vor zwei Wochen aus der Türkei eingereist zu sein. Auftraggeber sei ein „Prediger”, die genauen Motive der Täter jedoch unklar.

    Mychajlo Podoljak, der Berater des ukrainischen Präsidenten, weist die Vorwürfe zurück: Sein Land habe „sicher nichts“ mit dem Anschlag zu tun.

    Anschlag als Teil des Kriegsgeschehens

    Die Auseinandersetzung um die Deutungshoheit über den Anschlag in Moskau dürfte auch einen Einfluss auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine haben: „Unsere gemeinsame Pflicht ist es nun, unsere kämpfenden Kameraden an der Front, alle Bürger des Landes in einer Reihe zu versammeln“, so Putin in seiner Rede.

    Während er bemüht ist, aus dem Anschlag einen positiven Moment nationaler Einheit hinter seiner Kriegspolitik zu machen, gehen Hardliner in Russland weiter: „Es wäre richtig, wenn morgen die Ukraine nicht mehr existieren würde“, so der Ideologe und Stratege Alexander Dugin.

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