Sexismus und Übergriffe im Alltag rücken durch die Kampagne #metoo in den Fokus der Öffentlichkeit

Ob am Arbeitsplatz, auf der Party oder der Straße – Alltagssexismus, Belästigungen und Grenzüberschreitungen körperlicher und psychischer Art sind noch immer weit verbreitet. Die Mehrzahl der Frauen und auch einige Männer werden mit dieser Thematik konfrontiert – und das oft nicht nur einmal in ihrem Leben.

Für Aufsehen sorgte das Stichwort „#metoo“ (=ich auch), das von der amerikanischen Schauspielerin Alyssa Milano initiiert wurde, um auf den Skandal um den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein aufmerksam zu machen. Weinstein wird von einigen Schauspielerinnen sexueller Missbrauch zur Last gelegt. Mittels der Verbreitung des Hashtags in den sozialen Medien – beispielsweise über Facebook, Twitter und Instagram – entbrannte vor allem in Europa und den USA eine hitzige Debatte zu Sexismus und sexualisierter Gewalt (Link).

Die Resonanz ist riesig: Zehntausende betroffene Frauen berichten unter #metoo von ihren Erfahrungen, veröffentlichen Texte und Bilder. Viele weitere Menschen schließen sich an, teilen Beiträge und bekunden ihre Solidarität. Die millionenfache Nutzung des Hashtags und die aktuelle Diskussion auf medialer, gesellschaftlicher und politischer Ebene zeigen: Sexueller Missbrauch und Übergriffe sind ein riesiges, kaum überschaubares Problem und gehören scheinbar noch immer zum Alttag vieler Frauen.

Mittlerweile spalten sich jedoch die Lager. Die Initiative wird vorwiegend positiv bewertet und setzt vor allem die Politik unter Handlungszwang. Es wird klar, dass die Thematik viele Jahre lang stiefmütterlich behandelt und nicht ausreichend ernst genommen wurde. Fehler in politischen und sozialen Entscheidungen werden deutlich, denn selbst in vermeintlich fortschrittlichen, öffentlichen Positionen werden Vorwürfe von Belästigung und Übergriffen laut.

Gegenüber den Opfern entwickelt sich Sensibilität und ein Verständnis davon, dass es Jede treffen kann, dass die Schuld nicht der Betroffenen zugewiesen werden kann und davon, dass man vermutlich selbst Menschen kennt, denen derartiges passiert ist. Das kann durchaus ermutigen, neue Wege zu gehen, Geschehenes zu verarbeiten, die Problematik radikaler zu behandeln und Übergriffe anzuzeigen.

Dennoch gibt es auch negative Stimmen, nämlich dahingehend, dass #metoo für selbstdarstellerische Zwecke missbraucht werde, alle auf den Zug aufspringen und die „wahren“ Opfer verdrängt würden. Der Vorwurf gegen Einzelne, man nutze den Hype um die derzeitige Diskussion, mag durchaus berechtigt sein, denn der Widerspruch zwischen dem Opportunismus vergangener Tage im krassen Kontrast zu plötzlichen Protest-Reaktionen verschiedener, vor allem in der Öffentlichkeit stehender Personen wird überaus deutlich (Link).

Nichtsdestotrotz: Ein gestärktes Bewusstsein in der breiten Bevölkerung ist in jedem Fall ein Erfolg – vor allem dann, wenn den Betroffenen geholfen und solidarisch beigestanden wird. Weiterhin ist es unumgänglich, die Diskussion sachlich auszubauen, Unterstützungsmöglichkeiten und Regelungen zu gewährleisten, vor allem aber, die Ursachen innerhalb der Gesellschaft und ihrer Entwicklung zu suchen und zu bekämpfen.