Es ist Dezember und Weihnachten steht vor der Tür. Lichterketten in den Einkaufspassagen, die Spekulatius steht schon im Supermarktregal, Spielzeug-Werbung im TV. Durchschnittlich 266€ wollen die Deutschen für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Doch was bedeutet das eigentlich für die Beschäftigten in der Logistik und Einzelhandel?

Laut einer Umfrage bringt inzwischen für mehr als 60 Prozent der VerbraucherInnen weniger der Weihnachtsmann, sondern vielmehr das Internet die Geschenke. Dabei sticht vor allem „Amazon“ hervor. Der Internet-Shop soll für bis zu 75 Prozent der VerbraucherInnen relevant sein. Im letzten Jahr hat Amazon in der Weihnachtssaison mehr als eine Millionen Pakete in Deutschland versandt.

Doch nur den wenigsten ist bewusst was das für die ArbeiterInnen bei Amazon bedeutet.

„Da Amazon will, dass eine Bestellung in einem Tag oder gar in wenigen Stunden ausgeliefert wird, muss alles ganz schnell gehen. Die ArbeiterInnen werden also Tag und Nacht kontrolliert, gedrängelt, gehetzt, ermahnt und verwarnt, um die Arbeit in der vorgegebenen Zeit zu schaffen.“ So beschreibt es ein Film über die Arbeitsbedingungen bei Amazon mit dem Titel „Amazon macht uns krank“. Amazon hat eine Monopolstellung im Versandhandel und kann daher die Standards für die Arbeitsbedingungen setzen.

Für das Weihnachtsgeschäft stockt der führende Online-Verkäufer auf: zu den 12.000 festen MitarbeiterInnen kommen nochmal 13.000 „SaisonarbeiterInnen“ – und der Staat hilft kräftig nach. Das Jobcenter vermittelt immer mehr Menschen in Leiharbeit, wie zum Beispiel die befristeten Verträge bei Amazon. Danach heißt es wieder arbeitslos sein. Doch in der Weihnachtszeit spielen sie noch eine andere Rolle.

Sie werden als Streikbrecher eingesetzt, denn auch für dieses Jahr plant die Gewerkschaft ver.di Streiks an mehreren Standorten.

Seit mittlerweile vier Jahren kämpfen Beschäftigte für einen Tarifvertrag – doch der Konzern weigert sich. Der Stundenlohn für eine/n LogistikarbeiterIn liegt derzeit bei nur rund 10 € Brutto. Dadurch bekommen zum Beispiel die Beschäftigten des internationalen Handelskonzerns in NRW zum Teil mehrere hundert Euro weniger pro Monat als ihnen nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels zustehen würde. Da Amazon auch keine Nachtzuschläge zahlt, geht jedem Mitarbeiter allein im Schichtdienst rund 250 Euro brutto pro Monat verloren.

Dabei erwirtschaften die ArbeiterInnen dem Konzern traumhafte Umsätze. Innerhalb von nur 6 Jahren hat Amazon seinen Gesamtumsatz in Deutschland von 4,5 Milliarden € im Jahr 2010 auf 12,2 Milliarden € im Jahr 2016 verdreifacht! Das lässt auch die Kassen auf dem Sparkonto des Gründers Jeff Bezos (51) klingeln. Laut „Forbes“ ist er mit einem Vermögen von 46,9 Milliarden Dollar der sechst reichste Mann der Erde.

Im Einzelhandel sieht es nicht anders aus. Insgesamt erwirtschaftete der Einzelhandel im Jahr 2016 rund 19 Prozent seines Umsatzes (94,5 Milliarden €) in den Monaten November und Dezember. Besonders für Spielwarenhändler und Buchhändler ist dieser Zeitraum wichtig. Für die VerkäuferInnen bedeutet das meist erhöhten Stress. Beraten, Verpacken, verkaufen – und dabei immer nett lächeln. Wenigstens für dieses Jahr werden ein großer Teil der Supermärkte und Einkaufsketten darauf verzichten am Heiligabend selbst zu öffnen, der diesmal auf einen Sonntag fällt.

Sich mit den Arbeitsbedingungen während der Weihnachtszeit auseinanderzusetzen bedeutet nicht, dass man keine Geschenke mehr kaufen darf. Doch jeder kann die diversen Gespräche über den Weihnachtsstress nutzen um darauf aufmerksam zu machen und sich solidarisch zu zeigen – auch wenn das Paket nicht sofort am nächsten Tag da ist. Und zuletzt hilft den KollegInnen auch beim eigenen Einkauf ein „Bitte“ oder „Danke“ mehr zumindest den Stress besser zu ertragen.

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