Wieso sie unrecht haben – ein Kommentar von Felix Thal

In den sozialen Netzwerken wird die Seenotrettung durch das Rettungsschiff „Lifeline“ verspottet und verunglimpft. Rechte beteiligen sich an einem Shitstorm, und der Kapitän des Schiffes muss sich vor Gericht verantworten. Verhindern lässt sich dies vorerst nicht. Allerdings werden dreiste Lügen und Unwahrheiten leider auch von PolitikerInnen verbreitet und erreichen Tausende von Menschen.

Eine verbreitete These behauptet, dass die Seenotrettung Menschen erst dazu veranlasse, den gefährlichen Weg über das Mittelmeer zu nehmen. Fakt ist allerdings, dass das Aufkommen der organisierten Seenotrettung erst im Jahre 2014 begann, als Reaktion auf die Tragödie vor Lampedusa, bei der mindestens 368 Menschen ums Leben kamen. Zahlen des italienischen Senats unterlegen, dass NGOs wie die Mission Lifeline erst ab diesem Zeitpunkt stetig aktiver wurden.

Nach einem Bericht der University of London ist der Vorwurf, NGOs würden Flüchtlingsströme anlocken, nicht haltbar. Als z.B. die Rettungsoperation „Mare Nostrum“ der italienischen Küstenwache beendet war, stiegen die Zahlen einiger Migrant*innengruppen sogar an. Ebenfalls wurde das Mittelmeer als Fluchtweg weniger benutzt, da die Balkanroute die weniger gefährliche Alternative darstellte.

Wie Perspektive-Online berichtete, ist eines der Ergebnisse des EU-Gipfels, dass in Zukunft Geflüchtete, die auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet werden, nicht nach Europa, sondern zurück nach Afrika gebracht werden sollen. Doch bereits seit 2017 prangert die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ an, dass die Zustände in den Internierungslagern in Libyen absolut unmenschlich seien. Auch Tunesien werden von „Amnesty International“ schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, durch die der Schutz von Geflüchteten keinesfalls gewährleistet sei.

Solange die EU weiter Waffen in Krisenregionen dieser Welt exportiert, die afrikanische Landwirtschaft und deren ArbeiterInnen, BäuerInnen und Fischer ausbeutet oder ihrer Existenz beraubt werden, werden Geflüchtete weiter den Weg nach Europa suchen. – Ehrliche Bekämpfung der Fluchtursachen wäre eine andere Wirtschaftsordnung.