Das „NSU-Tribunal“ vermutet eine Fortsetzung des NSU-Terrors

Am Dienstag stürmte ein 30-Jähriger mit einer ungeladenen Luftdruckpistole in eine türkische Bäckerei und zielte mehrmals auf die anwesende Verkäuferin, die ein Kopftuch trug. Da die Waffe nicht geladen war, blieb die junge Frau körperlich unbeschadet. Durch den Schock ist sie allerdings bis auf weiteres krank geschrieben, an ihrer Abschlussprüfung in Bälde wird sie vermutlich nicht teilnehmen. „Das kann nur ein rassistisches Motiv sein“, so der Inhaber der Bäckerei, Alper Yildirmaz.

ErmittlerInnen sehen keinen Zusammenhang

Die Polizei Heilbronn jedoch wandte alle Einwände, dass es sich vermutlich um eine rassistisch motivierte Tat handle, ab. Immerhin habe der Täter das selbst gesagt: „Er verneinte ausdrücklich, aus einem fremdenfeindlichen Motiv gehandelt zu haben“, teilten die ErmittlerInnen mit. Schon darin sehen die StreiterInnen des NSU-Tribunals eine Gemeinsamkeit zu den Morden und Anschlägen des NSU: BeamtInnen und Behörden, die – obwohl sie juristisch dazu gezwungen wären – rassistische und faschistische Zusammenhänge nicht wahrnehmen oder gar decken.

Tatsächliche Nähe zum NSU nicht relevant

Das Tribunal betont dabei: Ob der Täter sich ganz bewusst in die Folge von NSU-Anschlägen einreihe, sei nebensächlich. Seine Tat setze fort, was der NSU tat: MigrantInnen sichere Orte zu nehmen, sie in migrantischen Kleingewerben anzugreifen, Opfer und Umfeld zu verunsichern und zu traumatisieren. Außerdem wurde Heilbronn bereits einmal zum Tatort: 2007 wurde dort Michèle Kiesewetter ermordet.

Täter gestand in der Nacht

In der folgenden Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde der Täter gefasst und gestand die Tat. Auch hier wendet das Tribunal ein: Solange nicht der Tatort als migrantischer Raum bei den Ermittlungen Berücksichtigung fände, werde ein rassistisches Tatmotiv nicht ausreichend beleuchtet. Solange würden sich ErmittlerInnen nicht klar positionieren, tatsächlich hinter dem Opfer des Verbrechens zu stehen.