Eurostat veröffentlicht neue Zahlen zur Armutsgefährdung in Europa / Zahlen zeigen nicht das tatsächliche Ausmaß der Armut

Den offiziellen Berechnungen der europäischen Statistikbehörde „Eurostat“ zufolge ist die Armut in Europa in den vergangenen zehn Jahren leicht zurück gegangen. Die Behörde berechnet für das 2017, dass rund 22,5 Prozent aller Menschen in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. 2008 lag diese Quote leicht höher bei 23,7 Prozent. Den Höhepunkt in den vergangenen zehn Jahren erreichte die Armutsquote 2012 mit fast 25 Prozent (Link).

Eurostat geht davon aus, dass in der EU etwa 113 Millionen Menschen mit Blick auf Armut und soziale Ausgrenzung gefährdet sind. Die Gefahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung wird in der Auswertung anhand von drei Kriterien bestimmt: Als von Armut bedroht gelten demnach Menschen, die mit weniger als 60% des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Hinzu kommen Haushalte, die von materieller Entbehrung betroffen sind. Der dritte Faktor sind Arbeitslosigkeit beziehungsweise eine sehr geringe Erwerbsintensität.

Was bei den Berechnungen von Eurosat besonders auffällt, ist die ungleiche Verteilung der Armut in Europa. So ist diese etwa in Bulgarien (38,5 Prozent), Rumänien (35,7 Prozent) und Griechenland (34,8 Prozent) mehr als doppelt oder dreifach so groß wie etwa in der Tschechischen Republik (12,2 Prozent) oder Finnland (15,7 Prozent). Für Deutschland wird eine Armutsquote von 19 Prozent angegeben (Link).

Dabei spiegelt die Erhebung von Eurostat nicht die tatsächliche Armut wieder. Sondern die verschiedenen Zahlen ergeben sich vor allem durch eine unterschiedliche Einkommensverteilung innerhalb der EU-Länder: Je gleichmäßiger die Einkommen verteilt sind und seien sie noch so klein, desto kleiner die errechnete durchschnittliche Armutsgefährdungsquote.

Das Statistische Bundesamt gab im April 2018 zudem die Armutsgefährdung in Deutschland mit 31 Prozent und damit deutlich höher an.

Jede/r Dritte ist armutsgefährdet