Am 25. November waren auf der ganzen Welt vor allem Frauen auf den Straßen und protestierten mit ebenso kreativen wie kämpferischen Aktionen gegen patriarchale Gewalt. Im Folgenden ein kleiner Einblick in Demonstrationen, die am vergangenen Sonntag in Europa stattgefunden haben:

Türkei

In weißen Ziffern auf schwarzem Grund war die Zahl „363“ in ganz Istanbul zu sehen.
Das soll die Zahl der Frauen darstellen, die im Jahr zuvor von ihren (Ex-)Partnern ermordet wurden, wobei anzumerken ist, dass die tatsächliche Zahl höchstwahrscheinlich über den statistisch erfassten Toden liegt.

Wie jedes Jahr sammelten sich die Frauen in Istanbul, um gemeinsam zum Taksim-Platz zu ziehen. Es ist schon fast Gewohnheit, dass die Polizei zu diversen Mitteln greift, um die Frauen und ihren öffentlichen Widerspruch zu stören. Aber auch dieses Jahr ist es ihr nicht gelungen, den Protest der Frauen in Istanbul aufzuhalten, auch wenn die Demonstration vor dem Taksim-Platz Halt machte.

Spanien

https://twitter.com/eightpin_emmitt/status/1066677801082937345

Auf vielen Bildern von Demonstrationen aus Spanien tragen die Frauen rote Handschuhe. Damit wollen sie sich solidarisch zeigen mit den Frauen, die in jüngster Vergangenheit Strafanzeigen gestellt haben gegen Männer, die sexualisierte Gewalt ausgeübt haben, und die keine Gerechtigkeit erfahren haben. In Spanien gab es im vergangenen Jahr einige Aufsehen erregende Fälle von (Massen-)Vergewaltigungen, in denen männliche Täter freigesprochen wurden.

Italien

https://twitter.com/Casa_donna_Pisa/status/1066342989759479808

Ihr Protest richtete sich nicht nur gegen Gewalt an Frauen im Allgemeinen, sondern auch gegen die Politik der Regierungspartei, konkret gegen den Innenminister sowie stellvertretenden Ministerpräsidenten Italiens, Salvini (Lega Nord). So betonten die Frauen immer wieder, wie wichtig es sei, dass ihre Forderungen für Frauen und der antirassistische Kampf Hand in Hand gingen – auch gegen die rechte Politik Salvinis.

Frankreich
Mehr als 30.000 Menschen demonstrierten in Paris. Die Stimmung in der französischen Hauptstadt war ohnehin geladen, da einen Tag zuvor dort die Straßenschlachten der „Gelben Westen“ stattgefunden hatten. Den demonstrierenden Frauen gelang es trotz des Chaos‘, sich Gehör zu verschaffen.

https://twitter.com/lauradmirable/status/1066407464835432448

Deutschland

In der Bundesrepublik gab es ebenfalls in verschiedenen Städten größere und kleinere Aktionen. Beispielsweise gingen in Köln hunderte Frauen mit Anbruch der Dunkelheit auf die Straße, seit einigen Jahren laufen sie dort am 25. November unter dem Motto „Wir nehmen uns die Nacht zurück!“.

In Cottbus organsierte ein Frauenkollektiv eine Aktion unter dem Titel „Raus aus der Stille“. In einer Pressemitteilung skizziert die Initiative ihre Idee von verschriftlichten und dann öffentlich dargestellten „Heldinnen-Sätzen“. Die Thematisierung von Gewalt stand damit ebenso im Fokus wie das Ziel, sich als Frauen gegenseitig zu stärken und der eigenen Stärke bewusst zu werden. Ein Foto dieser Aktion bildet das Titelbild des Artikels.