Besinnlichkeit und Fest der Liebe? Zu keiner Zeit des Jahres flüchten sich mehr Frauen in Frauenhäuser und anderweitige Schutzeinrichtungen als zu den Feiertagen.

Zwischen Heiligabend und Silvester werden Hilfetelefone und Frauenschutzhäuser häufiger benötigt als zu jeder anderen Zeit im Jahr. Auch finden mehr Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt statt, so waren es vor allem Polizeigewerkschaftler, die zu der Thematik befragt wurden.

Beispielsweise nannte Oliver Malchow, Chef der Gewerkschaft der Polizei, die Feiertage „Krisentage“. Der Stress und unerfüllte Erwartungen an eine Zeit, die besinnlich und reibungslos sein soll, scheinen für aufgeheizte Stimmung sorgen. Auch Alkoholkonsum spiele eine Rolle.

Tatsächlich nennen beispielsweise Frauenvereine, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, weit vielfältigere Gründe: Zu kaum einer Zeit würden so intensive Rollenerwartungen gestellt, was beispielsweise das Weihnachtsessen oder die Hausdekoration betreffe. Und typischerweise kommt zum Weihnachtessen auch die Familie. Sexuelle Übergriffe finden häufig im familiären Rahmen statt, und so kann ein solches Familienessen auch ein Wiedertreffen eines Täters mit einer Retraumatisierung bedeuten.

Für den Fall, dass in einer Gewaltsituation die Polizei gerufen wird, gilt im Übrigen laut Gewaltschutzgesetz: „Wer schlägt, muss gehen.“. Ein Täter kann der Wohnung oder des Aufenthaltsbereichs durch die Polizei verwiesen werden, selbst dann, wenn es nicht die Wohnung des Opfers ist. Es gibt ein breites Angebot an Hilferuf-Telefondiensten, die auf die Beratung von Frauen in Notsituationen spezialisiert sind.

Die Badische Zeitung erklärt übrigens den wiederkehrenden Anstieg häuslicher Gewalt viel einfacher: „Der Grund: Die Männer sind zu Hause.“.