Der Klimawandel hat immer handfestere Auswirkungen – so droht die am Javasee gelegene Hauptstadt Indonesiens unterzugehen. Die Regierung plant deshalb einen radikalen Schritt: sie will eine künstliche Hauptstadt auf der Insel Borneo errichten.

Indonesiens Präsident hat den geplanten Standort für die neue Hauptstadt des Landes auf der bewaldeten Insel Borneo bekannt gegeben. Die neue Stadt werde die überfüllte, verschmutzte aktuelle Hauptstadt Jakarta ersetzen, die langsam im Meer versinkt. 40 Prozent der Fläche befinden sich bereits unter dem Meeresspiegel.

Indonesien ist mit seinen 270 Millionen Einwohnern nach China, Indien und den USA das viert-bevölkerungsreichste Land der Welt. In der aktuellen Hauptstadt Jakarta auf der Insel Java leben rund 10 Millionen Einwohner, in ihrem Großraum leben mehr als 30 Millionen Menschen. Sie ist anfällig für Überschwemmungen und Verkehrsstörungen und ist dem Risiko von Erdbeben ausgesetzt. Dieses Risiko steigt mit dem Fortschreiten des Klimawandels weiter an.

Privatisierte Stadt

Die neue Hauptstadt soll zwischen den Regionen North Penajam Paser und Kutai Kartanegara auf Borneo entstehen. Borneo ist mit über 750.000 km² mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Der Standort der neuen Hauptstadt, 2.000 km nordöstlich von Jakarta, ist eine der Regionen, die am wenigsten anfällig für Naturkatastrophen ist.

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Die Kosten für die „am Reißbrett“ entworfene neue Stadt sollen etwa 32 Milliarden betragen. Laut Präsident Joko Widodo soll der Staat davon 19% finanzieren, der Rest soll aus öffentlich-privaten Partnerschaften und privaten Investitionen kommen. Damit wird Kapitalinteressen von Vornherein eine zentrale Planungsbeteiligung in Aussicht gestellt.

Widodo plant, den Umzug bis 2024 fertigzustellen. Dann geht die zweite Amtszeit des kürzlich wiedergewählten Präsidenten zu Ende.

Umweltschützer warnen

Umweltschützer befürchten, dass der Umzug die Zerstörung der Regenwälder auf der Insel beschleunigen wird. Dort leben außerdem Orang-Utans, Sonnenbären und Langnasenaffen. Des weiteren könnte die Umweltverschmutzung durch die Kohle- und Palmölindustrie dann noch weiter zunehmen.

„Der Umzug wird sich auf die Umwelt auswirken“, sagte die leitende Forstkämpferin von Greenpeace, Jasmine Puteri. „Jakarta hat so viele Ausfälle durch Umweltverschmutzung, Wasserkrise und Überschwemmungen erlitten. Wir wollen diese Probleme nicht in der neuen Hauptstadt haben. “

Der Planungsminister Bambang Brodjonegoro erklärte, der Landerwerb werde im nächsten Jahr beginnen.