Seit dem Beginn der syrisch-russischen Offensive gegen islamistische Milizen und ihre türkischen Verbündeten in der syrischen Provinz Idlib spitzt sich die Situation in der Region erneut massiv zu. Da die syrischen Truppen mit Unterstützung Russlands immer weiter in Idlib vorrücken, ruft die Türkei nun nach einem NATO-Einsatz gegen Syrien und droht Europa mit einer neuen Flüchtlingswelle.

Die Region Idlib ist das einzige Gebiet in Syrien, das noch von islamistischen Rebellen besetzt ist. Lange versuchte die Türkei, dieses Gebiet vor der Rückeroberung durch syrische Truppen zu schützen, wie sich nun zeigt ohne Erfolg. Immer größere Teile der Provinz werden nun mit Hilfe russischer Truppen und Flugzeuge befreit.

Nicht nur die islamistischen Milizen, sondern auch die türkische Armee haben dabei immer höhere Verluste. Während die Türkei in den vergangenen Tagen lediglich den Tod von 33 Soldaten eingestand, berichten kurdische Medien aus den Grenzstädten zu Syrien, dass mindestens 113 Leichen von türkischen Soldaten in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. In einer Tonaufnahme eines türkischen Soldaten in Syrien beschreibt dieser die Situation mit den Worten: „Die Lage hier ist wirklich schlimm. Gott soll uns allen beistehen. Ich glaube nicht, dass wir diesen Ort lebend verlassen werden.“

Türkei fordert Einsatz der NATO

Die Türkei fordert unterdessen, dass ihre Verbündeten innerhalb der NATO ihr beistehen, um doch noch ihre Positionen in Syrien halten zu können. Der Sprecher der Regierungspartei AKP, Ömer Celik, appellierte im türkischen Fernsehen, dass die NATO nun zeigen müsse, dass sie an der Seite der Türkei stehe.

Auch in Washington werden die Stimmen für einen erneuten Militäreinsatz in Syrien, insbesondere die Errichtung einer Flugverbotszone, wieder lauter. So forderte unter anderem US-Senator Lindsey Graham: „Es ist jetzt an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft eine Flugverbotszone einrichtet, um tausende unschuldige Männer, Frauen und Kinder vor einem schrecklichen Tod zu retten.“

Auf Ersuchen der Türkei wird am heutigen Freitag ein außerordentliches Treffen der NATO stattfinden.

Türkei öffnet Grenzen nach Europa für Flüchtlinge

Um die europäischen Staaten weiter unter Druck zu setzen und zu einem politischen und militärischen Eingreifen zu bewegen, hat die Türkei vergangene Nacht ihre Grenzen für Flüchtlinge geöffnet. Demnach hätten Polizei, Küstenwache und Grenzschutz die Anweisung bekommen, Flüchtlinge nicht mehr von der Ausreise aus der Türkei aufzuhalten.

Seit dem Migrationsabkommen zwischen der Türkei und der EU im März 2016 hatte sich die Türkei dazu verpflichtet, keine Flüchtlinge mehr in Richtung EU weiterziehen zu lassen. Dafür zahlte die EU riesige Millionenbeträge.


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