US-Präsident Trump befindet sich mit Covid-19 im Krankenhaus. Sein Gesundheitszustand ist unklar. Äußerungen seines Arztes legen nahe, dass Trump bereits am Mittwoch positiv auf Corona getestet wurde. Wahlveranstaltungen liefen danach weiter. Die Alarmbereitschaft der US-Sicherheitsbehörden vor der Wahl im November dürfte weiter zunehmen.  

Exklusive Corona-Party?

Um sich am Donnerstag in Bedminster (New Jersey) mit dem Corona-Virus zu infizieren, musste man tief in die Tasche greifen: 50.000 bis 250.000 Dollar kostete laut dem Medienunternehmen Bloomberg ein VIP-Ticket für eine Wahlkampfspenden-Veranstaltung, bei der ein gemeinsames Foto mit US-Präsident Trump inklusive war.

Dass ein Radius von 1,80 Meter um den Präsidenten mit „Do not cross“-Tape abgegrenzt war, dürfte die Ansteckungsgefahr nur geringfügig gemildert haben. Schließlich fand das exklusive Event in Trumps Golfclub hinter verschlossenen Türen statt, der US-Präsident trug keine Maske und ließ sich nicht davon abhalten, mit seinen wohlhabenden Unterstützern zu plaudern.

Dass er zu diesem Zeitpunkt schon von seiner eigenen Corona-Infektion wusste, legen Aussagen seines Arztes nahe. Sean Conley sprach am Samstag vor laufenden Kameras von einer Diagnose, die nun „72 Stunden“ zurückliege – das wäre also Mittwoch gewesen. Conley korrigierte sich zwar kurz darauf auf Nachfrage und sagte aus, Trump wäre erst am Donnerstagabend positiv getestet worden. Der Verdacht, der Arzt könnte sich verplappert haben, blieb jedoch im Raum.

Zunächst Geheimhaltung des Corona-Ausbruchs

Unbestritten ist jedenfalls, dass Trumps‘ enge Vertraute Hope Hicks bereits am Donnerstagmorgen positiv auf Corona getestet wurde, und dass diese Diagnose vom Weißen Haus zunächst geheim gehalten wurde. Inzwischen ist die öffentliche Vorstellung von Trumps Kandidatin für den Supreme Court am vorigen Samstag als „Superspreader“-Event im Verdacht.

Trump will VerfassungsrichterIn zügig vor der US-Wahl ernennen

Seit diesem Beisammensein vieler Menschen auf engem Raum sind neben Hope Hicks, Donald Trump und seiner Ehefrau Melania auch seine frühere Beraterin Kellyanne Conway, sein Wahlkampfmanager, drei republikanische Senatoren sowie mehrere Journalisten infiziert.

Hing Trump schon am Sauerstoff?

Wenn Milliardäre und Spitzenvertreter des Staates sorglos mit einer Seuche umgehen, die im eigenen Land bereits über 200.000 Menschenleben gefordert hat, dürfte das für Empörung in der Bevölkerung sorgen. Umso mehr, wenn das Präsidentenumfeld die Verbreitung der Krankheit für ein paar Millionen Dollar Wahlkampfgeld wissentlich in Kauf nimmt und dies anschließend vertuscht.

Gleichzeitig ist es keine Kleinigkeit, wenn in der Regierungszentrale des mächtigsten kapitalistischen Staates eine Epidemie ausbricht. Donald Trumps Gesundheitszustand ist unklar. Sein Arzt zeigt sich in einem Pressestatement „vorsichtig optimistisch“, der Präsident mache seit der Diagnose „bedeutende Fortschritte“. Trumps Stabschef Mark Meadows sprach gegenüber Fox News von „rapide fallenden Sauerstoffwerten“ am Freitagmorgen, nur um nachzuschieben, dass der Gesundheitszustand des Präsidenten sich seitdem „unglaublich“ verbessert habe. Trump selbst räumt in einem Video auf Twitter ein, dass er sich besser fühle am Freitag. Die „wahre Prüfung“ käme aber erst in den nächsten Tagen.

Internationale Folgen?

Die politischen und internationalen Folgen des Corona-Ausbruchs im Weißen Haus dürften vor allem davon abhängen, ob Trump seine Amtsgeschäfte weiterführen kann. Ein schwerer Krankheitsverlauf könnte ihn zeitweise oder dauerhaft außer Gefecht setzen. Wie der US-Informationsdienst Stratfor in einer Lageeinschätzung beurteilt, würden die meisten Regierungsfunktionen unabhängig von zeitweiligen Ablenkungen des Präsidenten auf Ebene der Ministerien normal weiterlaufen.

Außenpolitisch könnten konkurrierende Staaten wie China und Russland sowie nicht-staatliche Akteure wie der Islamische Staat die Gelegenheit propagandistisch und für beschränkte Aktionen nutzen. Insgesamt sei jedoch damit zu rechnen, dass alle wichtigen Akteure den Ausgang der Wahl im November abwarten, bevor sie weiter reichende Initiativen ergreifen. Der US-Geheimdienst- und Verteidigungsapparat befinde sich in der Situation vor der Wahl ohnehin schon in hoher Alarmbereitschaft. Die Gesundheitskrise des Präsidenten dürfte dies noch verstärken.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.