Schon vor Corona war klar, dass es im nationalen und internationalen Fußball nur selten „fair“ zugeht. Doch nicht nur auf dem Platz, sondern vor allem an den kapitalistischen Nebenschauplätzen bietet sich ein Sammelsurium an „unfairen“ Ereignissen. Von allein „unfairen“ Bedingungen kann allerdings bei den Beschäftigungsverhältnissen der Gastarbeiter:innen für die kommende WM 2022 in Katar keine Rede mehr sein: Über 6.500 Arbeiter:innen verloren hier innerhalb von zehn Jahren ihr Leben. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Bei der Fußball-WM 2014 sah die Welt, wie sehr sich die von Armut geprägte brasilianische Bevölkerung zur Wehr setzte. Neue Stadien und Milliarden wurden hierbei für einen Event in den Sand gesetzt, während das Leben in der Favelas nebenan tagtäglich ein Kampf ums Überleben war und ist.

Die WM 2014 zeigte den krassen Gegensatz zwischen Arm und Reich, der von bürgerlichen Medien verschwiegen wird. Letztendlich wurde sich sogar auf die Seite von Polizei und Regierung gestellt, denn vorgeblich wollten „wir alle“ wollten ein Fußballfest sehen – zu Hause, vor dem Fernseher.

Später kamen die ersten Anschuldigungen gegen Deutschland, dass die WM „im eigenen Land“ 2006 gekauft worden sei. 2020 kam es hierbei zu einem Gerichtsprozess um ominöse 6,7 Millionen Euro in der Schweiz gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten (Deutscher Fußballbund) Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach. Dazu schrieb die Presse damals, sogar im Jahr 2020, noch: „Sommermärchen gekauft, na und?“

Immer mehr fragwürdige Dinge, die letztendlich nur mit der Antwort ‚Geld‘ zu beantworten sind, passieren nun auch während der Corona- und Wirtschaftskrise: Warum dürfen beim Kontaktsport Fußball die hochklassigen Ligen überhaupt während des Lockdowns spielen? Die Frage um den Einfluss der Medien und TV-Gelder liegt hier auf der Hand. Doch auch eine andere Sparte, die den Fußball beeinflusst, darf nebenher weiterhin Geld verdienen und ihre Pforten öffnen: Wettbüros.

Tausende Gastarbeiter:innen sterben in der „Hölle von Katar“

Das alles sind Themen, die aufzeigen, wie korrupt der Fußball und die dazugehörigen Organisationen wie FIFA, DFB und andere sind. Der menschenverachtende Aspekt dabei wird an der WM in Katar, die 2022 stattfinden soll, nochmal so richtig sichtbar: seit der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft an Katar im Jahr 2010 sind bereits über 6.500 migrantische Arbeiter:innen in Katar verstorben.

Das belegen nationale Datensammlungen aus Indien, Bangladesch, Nepal und Sri Lanka. Aus diesen Ländern kommt ein Großteil der migrantischen Arbeiter:innen. Unbekannt sind immer noch die Zahlen aus Kenia und den Philippinen, aus denen ebenfalls Zig-Tausende der Arbeiter:innen kommen.

Mindestens 37 Todesfälle geschahen bereits beim Bau der sieben neuen Fußballstadien, die derzeit im Zuge der Weltmeisterschaft gebaut werden, die weiteren unzähligen Todesfälle sind nicht direkt im Zusammenhang mit dem Bau der Stadien geschehen. Dennoch sind alle der gestorbenen Arbeiter:innen im Zuge der WM-Vergabe nach Katar gekommen, um neue Infrastruktur, wie Hotels, Flughäfen oder U-Bahnnetze zu bauen.

Das Dortmunder Fußballmagazin „Schwatzgelb“ führte dazu vor kurzem ein Interview mit einem Gastarbeiter aus Kenia, der von nie gezahlten Löhnen, giftigen Chemikalien und Unterkünften, in denen er eher überlebte, statt zu leben, berichtete. Das Interview trägt den Titel „Katar ist die Hölle“ – und trifft damit den Nagel auf den Kopf.


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