Waffendepots, Todeslisten, Schießtrainings – in den letzten Jahren ist das rechte Netzwerk innerhalb des „Kommandos Spezialkräfte“ (KSK) immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Doch statt dem „eisernen Besen“, der von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Reinigung des KSK angekündigt wurde, gab es Straffreiheit für diejenigen, die Munition zurückbrachten. Dafür verantwortlich soll ausgerechnet ein „Hoffnungsträger“ sein.

Das rechte Netzwerk innerhalb Deutschlands geheimster Spezialeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) konnte offenbar auf Unterstützung von oben zählen. So gab es im Frühjahr 2020 für geschätzt 400 Soldaten der Bundeswehr-Eliteeinheit die Möglichkeit, gestohlene Munition und Kriegsgerät anonym zurückzugeben – und zwar „ohne negative Konsequenzen für die entsprechenden Soldaten“ befürchten zu müssen, wie es in einem internen Protokoll hieß.

Dafür sollen in der KSK-Zentrale in Calw sogenannte „Amnestieboxen“ aufgestellt worden sein, in die Soldaten illegal entwendete Munition zurücklegen konnten, ohne dass ihnen daraus Konsequenzen erwuchsen. Bemerkenswert: es kam dabei mehr Munition zusammen als bisher überhaupt als verschwunden bekannt war – über 50.000 Schuss sollen es gewesen sein.

Als Vorbild könnten dabei wohl die Amnestieboxen gedient haben, die von der Bundesregierung nach der jüngsten Verschärfung des Waffenrechts bereit standen. Auch im Nachgang des Zweiten Weltkriegs gab es mehrfach Amnestieboxen, in die im Privatbesitz vorhandene Kriegswaffen und Munition straffrei abgegeben werden konnten. Eine solche Amnestie für illegale Handlungen kann allerdings nur der Gesetzgeber beschließen.

Straffreiheit für rechte Prepper

Welchen Leute wurde damit Straffreiheit – und eine faktische Amnestie – ermöglicht? Solchen Soldaten, die es als notwendig und gerechtfertigt angesehen haben, Munition, Waffen, Hand- und Nebelgranaten aus Bundeswehrbeständen abzuzweigen und in privaten Waffenlagern unterzubringen. Bisher sind diese Handlungen ausschließlich mit einem Netzwerk rechter Prepper innerhalb und außerhalb des KSK in Verbindung gebracht worden, die sich auf den „Tag X“, den Tag der faschistischen Machtübernahme und eines Bürgerkriegs vorbereiteten.

Um genau so eine Person geht es derzeit beim Prozess gegen einen ehemaligem Bundeswehrsoldaten des KSK, der aktuell vor dem Landgericht Leipzig läuft. Bei einer Untersuchung wurden in dessen Garten zwei Kilogramm Sprengstoff, mehrere tausend Schuss Gewehr- und Pistolenmunition, sowie mehrere Waffen gefunden.

Der Angeklagte erwähnte während des Prozesses das Vorhandensein der Amnestieboxen, die er selbst aber nicht genutzt habe. Erst dadurch wurden diese überhaupt bekannt.

Wo sind die restlichen 60 kg KSK-Sprengstoff?

„Hoffnungsträger“

Dafür, dass Menschen, die in dem rechten Prepper-Netzwerk involviert waren, ohne Angst vor Verfolgung im KSK weiter dienen dürfen, ist mutmaßlich der aktuelle Kommandeur des KSK, Brigadegeneral Markus Kreitmayr, mitverantwortlich.

Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hüllt sich bisher in Schweigen über den Vorfall. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, steht Kreitmayr jedoch vor seiner Absetzung. Auch die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) gibt vor, nichts gewusst zu haben und fordert „Aufklärung“ – über die Bundeswehr, die sie mit ihrer Behörde doch kontrollieren soll.

General Kreitmayr, der offenbar das rechte Netzwerk deckte, gilt laut Süddeutscher Zeitung eigentlich als „Schlüsselfigur im Reformprozess des KSK“,  der Bayrische Rundfunk bezeichnet ihn als „Hoffnungsträger“.

KSK: Die Nazi-Akademie im Herzen des Staatsapparats


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.