Hafenarbeiter:innen in Genua müssen mit Repressionen durch den italienischen Staat rechnen. Im Mai 2019 sollten sie einen saudischen Frachter der Linie Bahri bearbeiten, der Rüstungsgüter für den Krieg im Jemen liefern sollte. Sie streikten geschlossen, und der Frachter musste unbeladen ablegen. Nach Hausdurchsuchungen beginnen nun die Gerichtsverfahren.

Vor zwei Jahren, im Mai 2019, versuchte die saudische Frachterlinie „Bahri“, Rüstungsgüter in verschiedenen europäischen Häfen abfertigen zu lassen. Organisierte Hafenarbeiter:innen machten diesem Plan einen Strich durch die Rechnung, und das gleich in mehreren Ländern: zuerst in Spanien, dann in Frankreich. Zuletzt musste der Bahri-Frachter auch aus dem Hafen Genua unverrichteter Dinge wieder auslaufen. Aus antimilitaristischem Bewusstsein bestreikten die Hafenarbeiter:innen ihren Auftrag – sie wollten nicht Kompliz:innen werden im Krieg gegen die jemenitische Bevölkerung.

Im frühen Sommer 2019 hatte die italienische Regierung mehreren Schiffen, die in Seenot geratene Geflüchtete gerettet hatten, das Einlaufen verboten. Deswegen forderten die Hafenarbeiter:innen, die Häfen für Kriegsgüter zu schließen, aber für Menschen auf der Flucht zu öffnen. Als der Frachter dennoch einlief, beschossen die Arbeiter:innen ihn mit Pyrotechnik.

Nun haben organisierte Hafenarbeiter:innen des „Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali“ (CALP) und der „Antifa Genua“ Repressionen durch den italienischen Staat erfahren. Inzwischen ist es Gesetz, dass keine Waffen mehr aus Italien nach Saudi-Arabien geliefert werden dürfen. Dennoch geht der italienische Staat jetzt gegen die Arbeiter:innen vor, die dieses Prinzip schon vor der entsprechenden Gesetzgebung durch ihre Arbeitsverweigerung umgesetzt hatten.

Nach Hausdurchsuchungen wird ihnen nun vorgeworfen, dass sie die Pyrotechnik derart modifiziert hätten, dass sie als tödliche Rauchbomben hätten funktionieren könnten. Außerdem wird dem autonomen Arbeiter:innenkollektiv jeweils die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zum Vorwurf gemacht. In einer Stellungnahme äußern sich die Angeklagten dazu entschlossen: Tödlich seien nicht die Rauchbomben gewesen, sondern die Fracht an Bord des Schiffes.


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