Das russische Verteidigungsministerium teilte am Mittwoch mit, dass es zur „Warnung“ eines britischen Kriegsschiffes im schwarzen Meer Schüsse abgegeben und Bomben abgeworfen habe. Das britische Schiff sei in russisches Hoheitsgewässer vorgedrungen.

Nachdem ein britisches Kriegsschiff, der Royal Navy-Zerstörer HMS Defender, in die russischen Hoheitsgewässer vor der Krim eindrang und nicht auf Funkwarnungen reagiert habe bzw. diesen keine Folge leistete, reagierte Russland, indem es im Zuge einer „Warnung“ Schüsse abgab und Bomben abwarf, so das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch.

Ein Su-24-Flugzeug zielte mit vier Bomben auf die Gewässer in der Nähe des britischen Kriegsschiffs, außerdem feuerte ein russisches Grenzpatrouillenschiff seine Waffen ab. Laut Russland befand sich das britische Schiff rund drei Kilometer in seinen Gewässern bei Kap Fiolent, südlich des Marinestützpunktes in Sewastopol nahe der Halbinsel Krim, als sich der Vorfall gegen Mittag ereignete. Innerhalb von vier Minuten nach dem Beschuss durch die russische Schwarzmeerflotte und den Grenzschutz änderte der britische Zerstörer dann seinen Kurs und verließ die russischen Gewässer wieder. Es soll keine Verletzten gegeben haben.

Das britische Kriegsschiff hatte am Dienstag den ukrainischen Hafen Odessa verlassen, wo Beamte eine Vereinbarung zur Umsetzung eines britischen Programms unterzeichneten, das der Ukraine beim Aufbau ihrer Marine helfen soll, so hieß es auf dem Twitter-Account des Schiffs. Der bereits im letzten Oktober abgeschlossene Deal umfasst die Überholung bereits bestehender Schiffe sowie die Lieferung neuer Schiffe an die Marine.

Die Pressestelle des britischen Verteidigungsministerium bestreitet zwar nicht den Kurs des Schiffes, sie zeichnet auf Twitter allerdings ein gänzlich anderes Bild der Vorfälle: „Auf HMS Defender wurden keine Warnschüsse abgegeben. Das Schiff der Royal Navy fuhr in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht eine Passage durch ukrainische Hoheitsgewässer.“ Russland soll den britischen Militärattaché bereits ins Verteidigungsministerium nach Moskau bestellt haben.

Seit Russland die Krim 2014 annektierte, weigern sich Großbritannien und einige andere Staaten, die Halbinsel als russisches Territorium anzuerkennen. Auch aus Sicht der Regierung in Kiew handelt es sich dabei um ukrainisches Hoheitsgebiet. Dadurch kommt es immer wieder zu Zwischenfällen und Konfrontationen auf See und im Luftraum, da Russland seine Luft- und Seegrenzen verletzt sieht. Auf einem Höhepunkt der Auseinandersetzungen Anfang 2014 beschuldigten die USA Russland, ein Kampfflugzeug gefährlich nah an ein US-Kriegsschiff geflogen zu haben.

Zuletzt hatten sich die Spannungen im Frühjahr durch russische und ukrainische Truppenaufmärsche entlang des Konfliktgebiets der Ostukraine gezeigt. Zusätzlich dazu wollten die USA im Frühjahr ebenfalls Kriegsschiffe ins Schwarze Meer schicken, hatten aber nach massiver Kritik aus Russland davon Abstand genommen.


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